Auf dem Wasser ist jeder schon einmal einer Grenzsituation begegnet, einem schlecht vorausgesehenen Start, einem unterschätzten Wetter, einer schlecht benutzten Ausrüstung. Nichts Spektakuläres, aber oft vermeidbar. Und hinter diesen Situationen taucht immer wieder eine Frage auf: die nach der Ausbildung.
Die World Sailing Standards werden auch heute noch mit dem Hochseesegeln in Verbindung gebracht. Dabei geht ihr Inhalt weit über den Rahmen von Regatten oder Hochseekreuzfahrten hinaus. Es geht um Sicherheit, Krisenmanagement, Ausrüstung und das Verhalten der Crew. Kurzum: Themen, die jeden Segler betreffen, der den Hafen verlässt.
Eine Ausbildung, die für reale Situationen auf See konzipiert ist
Die World Sailing-Schulungen basieren auf praktischen Erfahrungen. Feuer an Bord, Wassereinbruch, Verlassen des Schiffes, Benutzung von Rettungsinseln. Nichts Theoretisches.
Und genau hier wird die Diskrepanz deutlich. Ein großer Teil der Freizeitkapitäne segelt, ohne mit diesen Situationen konfrontiert worden zu sein, selbst in der Ausbildung. Der Bootsführerschein behandelt zwar das Thema Sicherheit, bleibt aber in der praktischen Umsetzung oft begrenzt.
Diese Art der Ausbildung zu verallgemeinern, würde bedeuten, diese Lücke zu füllen. Nicht um Expertenmatrosen zu schaffen, sondern um darauf vorzubereiten, richtig zu reagieren, wenn sich die Situation verschlechtert.
Etwa 1000 Sportbootfahrer nehmen jedes Jahr an dieser Ausbildung teil, die in etwa zehn Zentren in Frankreich angeboten wird. Anfangs waren die Kurse mit Hochseeseglern gefüllt, für die sie obligatorisch ist, doch nach und nach interessierten sich auch viele Sportbootfahrer dafür.
Weniger Einsätze, weniger Druck auf die SNSM
Die SNSM rückt jedes Jahr zu Tausenden von Einsätzen aus. Viele davon sind auf Pannen, Fehleinschätzungen oder schlecht gemanagte Situationen zurückzuführen. Eine bessere Ausbildung wird das Risiko auf See niemals beseitigen. Aber sie kann die Häufigkeit und vor allem die Schwere der Risiken verringern.
Die Einschätzung des Wetters, der Umgang mit einem Motorschaden, die richtige Verwendung eines UKW-Geräts oder das Auslösen eines Alarms sind Fähigkeiten, die man lernen kann. Und sie verhindern oft, dass Rettungskräfte unnötig mobilisiert werden.
Weniger Einsätze bedeuten auch, dass sich die freiwilligen Retter auf die wirklich kritischen Situationen konzentrieren können.
Eine direkte Auswirkung auf das Versicherungsrisiko
Und dann gibt es noch einen anderen, weniger sichtbaren Hebel, nämlich den der Versicherung. Das Risiko bei Sportbooten steht in direktem Zusammenhang mit dem Verhalten und der Vorbereitung des Skippers. Ein ausgebildeter Sportbootfahrer, der in der Lage ist, vorauszusehen und zu reagieren, verringert mechanisch die Wahrscheinlichkeit eines Schadens.
In anderen Sektoren beeinflusst die zertifizierte Ausbildung bereits die Prämien. Im Wassersport ist diese Logik noch marginal. Es ist aber denkbar, dass anerkannte Ausbildungen wie die von World Sailing langfristig zu einem Kriterium werden. Weniger Schadensfälle bedeuten auch ein anderes Gleichgewicht für die Versicherer.
Auf dem Weg zu einer breiteren Sicherheitskultur in der Freizeitschifffahrt
Und im Grunde geht die Frage über die Ausbildung selbst hinaus. Es geht darum, eine Sicherheitskultur zu verbreiten, die stärker in der Freizeitschifffahrt verankert ist. Derzeit beruht sie stark auf individueller Erfahrung, dem Austausch zwischen Bootsfahrern oder manchmal auch auf "learning by doing".
Mehr zu schulen wird die Schifffahrt nicht risikofrei machen. Aber es würde helfen, sie besser zu verstehen und vor allem besser mit ihnen umzugehen. Und schließlich ist das Gleichgewicht zwischen der Freiheit zu segeln und der Verantwortung auf See oft nur durch ein wenig mehr Vorbereitung zu erreichen, bevor man die Leinen losmacht.

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