In Mèze am Etang de Thau fährt das Segelboot Glazig, ein Django 750 aus dem Jahr 2003, jetzt mit einem POD ePropulsion 3.0, der von einer 48-V-Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie gespeist wird. Hinter dieser Umstellung steckt vor allem eine umfassende Überlegung zu Sicherheit, Massenzentrierung, Segelwiderstand und Reichweite bei der Küstenfahrt.
Warum die Zuverlässigkeit des Motors bei einem leichten Segelboot zentral wird
Bei Segelbooten unter 8 Metern Länge wird der Motor oft nur als Hilfsmittel betrachtet. In überfüllten Häfen oder windstillen Gebieten wird seine Zuverlässigkeit jedoch schnell zu einem Sicherheitsproblem.

Die Django 750 Glazig war ursprünglich mit einem 8 PS starken Yamaha-Außenborder ausgestattet. Sein Besitzer wollte die klassischen Einschränkungen eines Verbrennungsmotors loswerden: zufällige Starts, mechanische Wartung, Lärm und schlechte Gewichtsverteilung am Heck des Bootes. Mehrere Pannen bei der Rückkehr in den Hafen beschleunigten diese Entscheidung. Zwei Zusammenstöße bei Manövern erinnerten auch daran, dass ein Hilfsmotor sofort laufen sollte, wenn er unentbehrlich wird.
Der Umstieg auf einen Elektromotor erfüllt hier mehrere konkrete Erwartungen: sofortige Verfügbarkeit des Antriebs, Vermeidung von Vibrationen und Vereinfachung der täglichen Nutzung. Bei einem Boot, das für lokale Regatten bestimmt ist, ist der Komfortgewinn nicht das einzige Argument. Die Gewichtszentrierung und die Reduzierung der am Heckspiegel aufgehängten Massen spielen ebenfalls eine Rolle für das Verhalten des Bootes unter Segeln.
Die Wahl eines kompakten PODs, um den Luftwiderstand unter dem Segel zu begrenzen

Der Einbau eines Elektroantriebs in ein Sportsegelboot führt schnell zu der Frage: Wie viel hydrodynamische Abstriche muss man in Kauf nehmen?
Auf Glazig wurden zwei Lösungen in Betracht gezogen: ein POD ePropulsion mit 3 kW oder ein leistungsstärkeres Modell mit 6 kW. Das Segelprogramm, das hauptsächlich auf Regatten im Étang de Thau ausgerichtet war, gab schließlich den Ausschlag für das kleinere Modell. Der Durchmesser des POD, sein Platzbedarf unter dem Rumpf und die zusätzliche benetzte Fläche wurden entscheidend.
Der gewählte Motor wird von einer Powertech LFP-Batterie mit 5,4 kWh und einem Gewicht von 39 kg angetrieben. Die Lithium-Eisen-Phosphat-Technologie bietet im Sportbootbereich mehrere Vorteile: Temperaturstabilität, lange Lebensdauer und die Fähigkeit, wiederholte Lade- und Entladezyklen zu überstehen. Und bei einem leichten Segelboot mit 1,9 Tonnen Gewicht zählt jedes Kilogramm. Die Wahl eines kompakten PODs ermöglicht es, die Auswirkungen auf die Leistung unter Segeln zu begrenzen und gleichzeitig eine Geschwindigkeit von fast 5 Knoten unter Motor beizubehalten.
Die elektrische Architektur des Fahrzeugs völlig neu überdenken
Eine elektrische Umrüstung beschränkt sich nicht darauf, einen Verbrennungsmotor durch eine Batterie zu ersetzen. Auf Glazig wurde die gesamte Energieanlage während der Renovierung des Schiffes zwischen 2022 und 2025 überarbeitet. Elektrische Schaltpläne, die Platzierung der Geräte, die Trennung der Netze und die Herstellung spezieller Teile erforderten eine umfangreiche Planungsarbeit.

Die Anlage unterscheidet klar zwischen 220-V- und 48-V-Stromkreisen auf einer Seite des Schiffes, während das 12-V-Netz auf der Steuerbordseite getrennt bleibt. Ein 48-V-zu-12-V-Wandler sorgt für die Versorgung der herkömmlichen Geräte. Das Boot erhält außerdem ein 15-A-Landladegerät sowie zwei 120-W-Solarmodule, die mit einem 48-V-kompatiblen MPPT-Regler verbunden sind.
Einige Teile wurden in Zusammenarbeit mit dem Atelier Bilbo in Balaruc-les-Bains im 3D-Druckverfahren entwickelt. So wurde unter anderem ein spezieller hydrodynamischer Schuh entworfen, um den Platzbedarf des POD unter dem Rumpf zu verringern.

Dieser Ansatz verdeutlicht eine häufige Entwicklung bei elektrischen Umwandlungen: Der Motor wird lediglich zu einem Teil eines gesamten Energiesystems, das von Anfang an durchdacht werden muss.
Faltpropeller, Hydrogeneration, Autonomie: Beim Cruisen zeigen sich die Grenzen
Die Frage des Propellers bleibt bei schnellen Segelbooten ein heikles Thema. Um den Luftwiderstand zu verringern, verwendete Glazig zunächst einen zweiblättrigen Faltpropeller. Die Erfahrung zeigte jedoch schnell einige Grenzen auf: Verschmutzung des Mechanismus, schlechte Öffnung der Blätter und Verlust der Motorik während der Manöver. Der Besitzer kehrte schließlich zu einem festen Propeller zurück, der im Alltag als zuverlässiger galt.
Im Nachhinein stellt sich eine weitere Frage: Hätte man von Anfang an eine Lösung bevorzugen sollen, die mit Wasserkraftgeneration kompatibel ist?
Auf dem Étang de Thau reicht die derzeitige Autonomie mehr als aus. Aber zukünftige Segelprojekte nach Korsika, Sardinien oder den Balearen verändern die Energiegleichung völlig. Bei Halbhochseekreuzfahrten können mehrere Tage mit Petarden vor einer Windböe lange Antriebsstunden erfordern. Das Boot könnte sich daher mit zusätzlicher Stromerzeugung weiterentwickeln: Hydrogeneration oder kleine 1-kW-Honda-Generatoren. Solarenergie allein stößt auf einem kompakten Segelboot schnell an ihre Grenzen, wenn der Bedarf steigt.
Manövrierfähigkeit bleibt ein starkes Argument für Jachthäfen
Elektromotoren werden oft nach ihrer Reichweite beurteilt. In den Häfen ist es jedoch vor allem ihre Progressivität, die die Gewohnheiten ändert.
Die Django 750 hat zwei Ruder und einen Propeller, der weit vorne angebracht ist. Diese Konfiguration ließ die Befürchtung aufkommen, dass das Manövrieren schwierig werden könnte. Schließlich war das Verhalten des Bootes im Hafen einer der Punkte, die der Eigner am meisten schätzte. Das unmittelbare Drehmoment des Motors ermöglicht es, in einem kleinen Radius zu drehen und dabei nur einen Bruchteil der verfügbaren Leistung zu nutzen. Die Geräuschlosigkeit verändert auch die Wahrnehmung von Manövern. Keine Vibrationen, kein Leerlaufgeräusch, kein Abgasgeruch im Cockpit.
Und hinter dem Komfort bleibt vor allem eine einfache Idee: Auf einem Segelboot wird der Motor selten gebraucht, aber wenn er gebraucht wird, muss er sofort anspringen. Das ist wahrscheinlich der Grund für das wachsende Interesse von Seglern an Elektroantrieben bei kleineren Booten.

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