Erwan Jauffroy gelingt eine Weltpremiere: Er überquert den Ärmelkanal auf einem Foil ? ohne Segel und ohne Motor

© Pierre Bouras

Am Sonntagmorgen gehen manche zur Messe oder kaufen Brot ein. Erwan Jauffroy hat sich stattdessen für eine Weltpremiere entschieden. Die Überquerung des Ärmelkanals ohne Segel, ohne Motor und ohne Paddel galt bis vor kurzem noch als reine Hypothese. Erwan ist es jedoch gelungen, allein mit der Energie der Wellen von England nach Cherbourg zu gelangen. Eine Leistung, die ebenso viele technische wie sportliche Fragen aufwirft.

Auf dem Ärmelkanal folgen Frachtschiffe dicht aufeinander, die Strömungen ändern schnell ihre Richtung und die Seebedingungen können sich manchmal innerhalb weniger Minuten ändern. Doch genau in dieser Umgebung gelang Erwan Jauffroy eine Weltpremiere: Er überquerte die Meerenge auf einem Foil, ohne Segel und ohne Motor. Eine Strecke von 104 Seemeilen, die er in 8 Stunden und 08 Minuten zwischen Beachy Head bei Eastbourne und Cherbourg zurücklegte.

Eine Überfahrt, bei der das Foil ausschließlich durch die Energie der Wellen angetrieben wird

Auf den ersten Blick scheint diese Herausforderung schwer zu verstehen zu sein. Dabei ist das Prinzip relativ einfach. Im Gegensatz zum Wingfoilen, Windsurfen oder Kitesurfen stand Erwan Jauffroy keinerlei Antriebsmittel zur Verfügung. Weder Flügel noch Segel noch Elektromotor.

Sein Foil bewegte sich ausschließlich dank der Energie, die in den vom Wind erzeugten Wellen steckte. Diese Technik, die vom Downwind-Foil und vom Ocean-Pumping inspiriert ist, besteht darin, die Geschwindigkeit der Wellen kontinuierlich zu nutzen, um den Flug des Foils über dem Wasser aufrechtzuerhalten.

Diese Übung erfordert eine ständige Beobachtung des Meeres. Der Rider muss ständig den Schwerpunkt wechseln, die richtigen Wellen auswählen und genügend Geschwindigkeit beibehalten, um nicht aus dem Rhythmus zu geraten.

Der Ärmelkanal ? ein weitaus anspruchsvolleres Testgebiet als das Mittelmeer

Nach seiner Überfahrt von Toulon nach Calvi im Jahr 2024 widmete sich Erwan Jauffroy einer ganz anderen Umgebung.

©Pierre Bouras
©Pierre Bouras

Im Ärmelkanal konzentrieren sich einige der stärksten Strömungen Europas. Hinzu kommt eine der weltweit am stärksten befahrenen Schiffsverkehrstrennungszonen, die täglich von mehreren hundert Handelsschiffen durchquert wird. Die Wahl des richtigen Wetterfensters war daher ebenso wichtig wie die körperliche Verfassung des Sportlers.

Die Routenplanung erfolgte gemeinsam mit Charles Caudrelier und Éric Peron, um den besten Kompromiss zwischen Seegang, Wellrichtung, Wind und Strömungsverlauf zu finden. Trotz dieser Vorbereitung blieb der Ausgang des Versuchs ungewiss.

Durchschnittlich 13 Knoten über eine Strecke von fast 104 Meilen

Eine der bemerkenswertesten Zahlen dieser Überfahrt ist die Durchschnittsgeschwindigkeit.

©Pierre Bouras
©Pierre Bouras

Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 13 Knoten war Erwan Jauffroy auf derselben Strecke schneller unterwegs als viele Kreuzfahrtsegelboote. Dieses Tempo über mehr als acht Stunden hinweg beizubehalten, erfordert ständige Konzentration. Der kleinste Kursfehler oder ein Geschwindigkeitsverlust kann den Flug des Foils unterbrechen und einen Neustart erzwingen.

Zu dieser technischen Herausforderung kommt eine erhebliche körperliche Belastung hinzu. Die Beine sind ständig im Einsatz, um das Foil zu steuern, die Bewegungen des Wellengangs abzufedern und das Gleichgewicht zu halten.

La traversée était sécurisée par un bateau de suivi ©Pierre Bouras
Die Überfahrt wurde von einem Begleitboot gesichert ©Pierre Bouras

Im Ziel berichtet der Segler übrigens von einer Überfahrt, die sowohl psychisch als auch körperlich anstrengend war.

Ein neues Kapitel für große Überfahrten mit dem Foil

L'arrivé à Cherbourg ©Pierre Bouras
Die Ankunft in Cherbourg ©Pierre Bouras

Mit 42 Jahren steht Erwan Jauffroy nicht zum ersten Mal vor einer Herausforderung auf dem Wasser. Als ehemaliger französischer Windsurf-Meister von 2004 und anschließend sechzehn Jahre lang als Chefredakteur mehrerer Fachzeitschriften für Gleitsportarten hat er sich in den letzten Jahren über seinen YouTube-Kanal als einer der französischen Spezialisten für das Foilen etabliert.

Mit dieser Überquerung des Ärmelkanals fügt er seiner Laufbahn nach der 2024 zurückgelegten Strecke von Toulon nach Calvi einen weiteren Meilenstein hinzu.

Abgesehen von der sportlichen Leistung zeigt diese Fahrt, dass eine Hochseeüberfahrt mittlerweile ausschließlich mit Wellenenergie ? ohne Segel und ohne Motor ? durchgeführt werden kann. Ein Beweis, der die Grenzen des Langstrecken-Foilings ein Stück weiter verschiebt.

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