Redaktion / Das Ende des Dieselkraftstoffs auf See - Fantasie oder unausweichlicher Übergang?

Bald ein Museumsstück? © Maxime Leriche

Es wird auf den Stegen, auf Messen und sogar in den Hafenräten diskutiert. Der Diesel sei dem Untergang geweiht. Aber wo steht die Freizeitschifffahrt wirklich zwischen Ankündigungen und der Realität auf See?

Wenn man vielen Reden zuhören würde, wäre der Dieselmotor bereits ins Schifffahrtsmuseum verbannt worden. Elektro-, Hybrid-, Wasserstoff- und alternative Kraftstoffe - der Übergang ist in vollem Gange. Aber wenn man die Leinen für 200 Meilen loslässt, ändert sich der Ton der Frage.

Heute fahren viele Segel- und Motorboote mit Dieselkraftstoff. Autonomie, Energiedichte, Betankungsnetz, kontrollierte Wartung - der Verbrennungsmotor bleibt ein solider Standard. In der Hochseeschifffahrt hat die Zuverlässigkeit immer Vorrang vor der Ideologie.

Die Elektrik macht Fortschritte. Bei Küstenbooten, Daysailern und Beibooten hat sie ihren Platz gefunden. Leise beim Ankern, saubere Manöver im Hafen, weniger Wartung. Das ist stimmig. Aber sobald die Strecke länger wird, werden das Gewicht der Batterien, die Ladezeit und das Energiemanagement zu einem schwierigeren Thema.

Der Hybridantrieb bietet eine Zwischenlösung. Er ermöglicht es, die Motorstunden zu reduzieren, die Energieerzeugung an Bord zu optimieren und den Verbrauch zu glätten. Aber er ist auch technisch komplexer und teurer, als dass er in größerem Umfang auf den Markt kommen könnte.

Alternative Kraftstoffe wie HVO, E-Diesel und Biokraftstoffe sind ein pragmatischer Weg. Sie verändern die Architektur bestehender Schiffe nicht und ermöglichen es, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, ohne die Logistikkette zu revolutionieren. Dies ist bei unseren "kleinen" Sportbooten nicht der Fall.

Man muss auch differenzieren. Einige Reiseboote von Windelo haben bereits sehr lange Fahrten ohne fossile Energieträger absolviert. Großzügig bemessene Solarenergie, leistungsfähige Wasserkraftgeneratoren, Windkraftanlagen, rigoroses Energiemanagement, gut kalibrierte Lithiumbatterien. Diese Schiffe haben die Ozeane nur mit Strom überquert und dabei eine relative Disziplin akzeptiert. Andere Projekte werden es schaffen. Es ist nicht die Mehrheit der Flotte, aber es ist ein Zeichen dafür, dass es eine technische Lösung gibt. Bleibt die finanzielle Klippe...

Also das Ende des Dieselkraftstoffs auf See? Kurzfristig nicht. Mittelfristig, eine schrittweise Umstellung, ja.

Die Freizeitschifffahrt wird nicht per Dekret umgestellt. Sie verändert sich durch die Nutzung. Und wie so oft auf See wird der Übergang von Fall zu Fall, von Programm zu Programm und fast von Boot zu Boot erfolgen.

Und vielleicht ist die eigentliche Frage im Grunde nicht, wann der Diesel verschwindet, sondern wie man schon heute mit dem Boot, das man bereits hat, sparsamer segeln kann?

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