Der Preis der Freiheit: Ein Bericht über das Leben an Bord, der einen Einblick in eine noch eindringlichere Geschichte gewährt

In ?Le prix de la liberté? erzählt Isabelle Colleau von der radikalen Entscheidung, die sie gemeinsam mit ihrem Mann getroffen hat: ein konventionelles Leben an Land hinter sich zu lassen, um an Bord eines Segelboots zu leben und das Segeln zu erlernen. Das Buch begleitet ihre ersten Segeltörns im Mittelmeer, zwischen den Calanques, den Ankerplätzen und den Überfahrten nach Korsika.

Der Leser begibt sich gemeinsam mit Isa und Ben an Bord einer Feeling 1040. Ausfahrten auf See, Nächte vor Anker, Manöver im Hafen und Wetterkapriolen folgen aufeinander. Doch während das Buch den Erwerb von Segelkenntnissen und eine schrittweise Entdeckung des Lebens an Bord verspricht, bleibt die Erzählung oft oberflächlich.

Es werden zahlreiche Situationen angesprochen, mit denen Segelanfänger konfrontiert sind. Das Auslaufen aus einem Hafen, die Suche nach einem Ankerplatz, die Vorbereitung einer Segeltour oder der Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen. Diese Erfahrungen werden jedoch selten näher erläutert. Die praktischen Anleitungen bleiben begrenzt, und die beschriebenen Episoden nehmen manchmal eine abenteuerliche Dimension an, die Segler, die bereits mit den Küsten des Mittelmeers vertraut sind, überraschen könnte. Eine Truhe auf Porquerolles zu holen oder eine Nacht vor Anker zu verbringen, werden so zu Etappen, die als große Herausforderungen dargestellt werden.

Das ist umso bedauerlicher, als das Thema durchaus Substanz hat. Dieses Paar liebt offensichtlich das Leben an Bord und steht voll und ganz zu seiner Entscheidung, anders zu leben. Auf diesen Seiten spürt man den aufrichtigen Wunsch, den Alltag eines Lebens zu teilen, das vom Wetter, den Zwischenstopps und den Einschränkungen des Bootes geprägt ist. Doch die Wiederholungen und gewisse Redundanzen verlangsamen letztendlich den Lesefluss, ohne immer neue Erkenntnisse zu liefern.

Der Reiz des Buches liegt letztendlich woanders.

Ganz diskret, aber ohne Umschweife spricht Isabelle Colleau über ihre Krankheit. Diese Behinderung, die ihren Alltag erschwert und das Leben an Bord zusätzlich erschwert, scheint der eigentliche rote Faden des Buches zu sein. Wahrscheinlich liegt genau darin der wahre Wert der Freiheit. Nicht in den Ankerplätzen oder den Überfahrten, sondern in der Entschlossenheit einer Frau, die sich weigert, ihre Pläne aufzugeben.

Im Laufe des Buches ist es vor allem diese Charakterstärke, die den größten Eindruck hinterlässt. Sie kommt oft zwischen den Zeilen zum Vorschein, manchmal sogar stärker als die Segelberichte selbst. Man hätte sich gewünscht, dass dieser Aspekt eine zentralere Rolle gespielt hätte, da er dem Bericht so viel Tiefe verleiht.

Das Buch ?Der Preis der Freiheit? hinterlässt somit einen zwiespältigen Eindruck. Als Segelbericht gelingt es ihm kaum, seine zahlreichen Erlebnisse in echte Erkenntnisse für Segler umzuwandeln. Als menschliches Zeugnis offenbart es hingegen einen bemerkenswerten Willen, trotz der durch die Krankheit auferlegten Einschränkungen nach den eigenen Vorstellungen zu leben.

Und wohl gerade deshalb legt man das Buch mit Wohlwollen beiseite und wünscht der Autorin, dass sie ihren Weg unter Segeln noch lange fortsetzen möge.

Der Preis der Freiheit ? Isabelle Colleau

  • Verlag Jets d'encre
  • 14 × 21 cm
  • 196 Seiten
  • 19,30 ?
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