Superyacht-Trimaran ?FUSION?: drei Rümpfe für eine 118 m lange und 30 m breite Yacht

Mit FUSION begnügt sich Sinot nicht damit, einer 118 m langen Superyacht einfach zwei Schwimmer hinzuzufügen. Das Studio entwirft drei Rümpfe, die fast gleich lang sind, und eine Gesamtbreite von 30 m. Diese Architektur schafft beträchtliche Flächen. Doch hinter den 3.340 m² Außendecks ist es vor allem die Architektur mit drei fast vollständigen Rümpfen, die besondere Beachtung verdient.

Mit einer Gesamtlänge von 118 m gehört die FUSION auf Anhieb zur Kategorie der außergewöhnlichen Projekte. Doch ihre Länge ist wahrscheinlich nicht ihr interessantestes Merkmal. Man muss das Boot vielmehr von vorne betrachten: Das von Sinot Yacht Architecture & Design entworfene Konzept erreicht eine Breite von 30 m und ruht auf drei Rümpfen, die sich über den Großteil seiner Länge erstrecken.

Der Mittelrumpf hat eine Wasserlinienlänge von 115 m und eine Breite von 17,5 m. Zu beiden Seiten befinden sich Schwimmer, die jeweils 110 m lang und 4,7 m breit sind. Sie dienen also nicht lediglich als Anbauten zur Erhöhung der Stabilität, sondern sind direkt in die Gesamtkonstruktion des Schiffes eingebunden.

Auf dieser Eigenschaft gründet Sinot seinen Anspruch auf das ?weltweit größte Konzept für einen Trimaran-Superyacht in voller Länge?. Die Bezeichnung ?Full-Length? ist dabei von Bedeutung. Es wurden bereits Konzepte für längere Trimarane vorgestellt, darunter ein 120 m langes Projekt, das 2016 von Echo Yachts, Sorgiovanni Design und One2Three Naval Architects präsentiert wurde.

FUSION kann daher nicht ohne Weiteres als das größte jemals konzipierte Trimaran-Konzept bezeichnet werden. Seine behauptete Einzigartigkeit beruht auf der Länge seiner Seitenschwimmer im Verhältnis zum Mittelrumpf.

Eine Breite von 30 m, die den Maßstab des Deckplans verändert

Der Vorteil dieser Geometrie zeigt sich sofort in den angegebenen Flächen. Die Sinot verfügt über 3.340 m² Außendecks. Etwa 2.200 m² davon befinden sich allein auf dem Upper Deck.

Im vorderen Bereich kann eine 770 m² große Fläche namens ?Playdeck? je nach Programm umgestaltet werden. Das Projekt sieht insbesondere vor, dass dort ein vollwertiger Tennisplatz eingerichtet oder Futsal und Volleyball gespielt werden kann. Sinot plant außerdem Nutzungen im Zusammenhang mit BMX, Shows und Veranstaltungen an Bord. Derselbe Bereich ist für den Einsatz von Hubschraubern und senkrecht startenden und landenden Flugzeugen vorgesehen, wenn er nicht für Freizeitaktivitäten genutzt wird.

Im hinteren Teil dieses Oberdecks befindet sich ein weiterer ungewöhnlicher Bereich: eine 970 m² große Terrasse, die um einen 8,2 m x 12,7 m großen Pool herum angelegt ist. Durch den verglasten Boden hat man einen Blick auf das Unterdeck.

Der Grundriss veranschaulicht recht gut den mit dem Trimaran angestrebten Effekt. Die verfügbare Breite wird nicht mehr nur zur Vergrößerung der Salons genutzt. Sie ermöglicht es, Funktionen nebeneinander anzordnen, die auf einem Einrumpfboot stärker um denselben Platz auf dem Deck konkurrieren würden.

FUSION treibt das Konzept der Yacht und ihrer Bordflotte auf die Spitze

Besonders auf dem Main Deck kommt das Programm deutlich zum Tragen. Sinot plant ein 843 m² großes Deck, das für Beiboote, Wassersportgeräte und Fahrzeuge vorgesehen ist. In die Konstruktion integrierte, parallel angeordnete Mobilkräne sollen deren Umschlag ermöglichen.

Die vorläufige Liste vermittelt einen Eindruck vom Umfang: zwei 15 m lange Limousinen-Beiboote und zwei weitere Beiboote gleicher Länge, zu denen noch Tauchausrüstung, Wasserfahrzeuge und Expeditionsfahrzeuge hinzukommen können. Der Konstrukteur sieht zudem die Möglichkeit vor, Tauchboote und kleine Flugzeuge an Bord zu nehmen.

Am Heck des Mittelrumpfs soll eine auf dem Unterdeck verborgene Plattform den direkten Zugang zum Wasser ermöglichen. Die Schwimmer verfügen über eigene, geschützte Zugänge zum Hauptdeck.

Die Konzeption spiegelt einen Trend wider, der bereits auf einigen großen Expeditionsyachten zu beobachten ist: Das Schiff dient nicht mehr nur als Unterkunft, sondern als mobile Basis, die eine ganze Flotte von Spezialfahrzeugen transportiert. FUSION treibt diese Logik dank seiner verfügbaren Fläche noch viel weiter voran.

Auch der Kinoraum, der gegenüber dieser technischen Brücke liegt, wird für diese doppelte Nutzung herangezogen. Sinot plant einen 16 m² großen 8K-MicroLED-Bildschirm für mehr als zwanzig Personen, stellt den Raum aber auch als Besprechungsraum für Tauchgänge oder Expeditionen zur Verfügung.

8.200 BRZ für nur 18 Personen, Eigner und Gäste

Sinot schätzt das Volumen der FUSION auf etwa 8.200 BRZ. Diese Zahl gewinnt im Hinblick auf die Unterbringungskapazität eine besondere Bedeutung. Das Projekt ist für 18 Personen ? Eigner und Gäste ? ausgelegt. Die Eignerkabine befindet sich im hinteren Teil des Oberdecks und verfügt über eine 100 m² große private Terrasse. Acht weitere Kabinen auf dem Main Deck bieten Platz für 16 Personen.

Zwei dieser Kabinen verfügen über eine Sauna und sollen jeweils über eine eigene, 12 m² große Loggia verfügen. In den von Sinot bereitgestellten technischen Daten werden zwei VIP-Suiten und sechs Gästekabinen unterschieden, während in der allgemeinen Beschreibung alle acht Kabinen als VIP-Kabinen bezeichnet werden. Die Gesamtzahl der Schlafplätze bleibt jedoch unverändert.

An Bord ist das Verhältnis zwischen Volumen und Anzahl der Passagiere daher beträchtlich. Und ein Großteil dieser Kubikmeter entfällt nicht ausschließlich auf die Kabinen.

Der Wellnessbereich erstreckt sich somit über 300 m² im hinteren Teil des zentralen Rumpfes. Er umfasst unter anderem ein Hammam, eine Sauna, Massage- und Behandlungsräume, ein Kaltwasserbecken sowie Ruhebereiche. Im vorderen Bereich des Oberdecks befindet sich ein Fitnesscenter mit Gegenstrombecken, Sportgeräten, Physiotherapieräumen und einem Außenbereich für Yoga oder Pilates. Die Besatzung und das Personal können bis zu 49 Personen umfassen.

?Baureif?, aber noch viele Lücken

Sinot geht über eine reine Stilübung hinaus und präsentiert FUSION als ein ?baureifes? Konzept. Nach Angaben des Studios sind die Trimaran-Plattform, der Gesamtentwurf und die strukturellen Grundsätze so weit ausgereift, dass eine Werft mit der Detailplanung beginnen kann, ohne das Projekt komplett neu aufgreifen zu müssen. Allerdings wurden weder eine bestimmte Werft noch das Rumpfmaterial, der Antrieb, die Leistung, der Tiefgang, die Geschwindigkeit, die Reichweite oder die Kraftstoffkapazität bekannt gegeben.

FUSION besticht vor allem durch die Fragen, die es zum Thema Marine aufwirft

Die Bilder von FUSION rücken natürlich den Pool, den Spa-Bereich, die Kunstwerke und die Innenräume in den Vordergrund. Das ist die übliche Bildsprache bei Superyacht-Konzepten. Doch das eigentliche Interesse an diesem Projekt liegt wahrscheinlich unterhalb dieser Ausstattungselemente. Zwei 110 m lange Schwimmer, eine Breite von 30 m, ein geschätztes Volumen von 8.200 BRZ und mehr als 3.300 m² Außendecks bilden ein architektonisches Konzept, das weitaus interessanter ist als eine bloße Auflistung von Ausstattungsmerkmalen.

Nun bleibt abzuwarten, ob sich für diese Plattform ein Eigentümer und eine Werft finden, die bereit sind, den nächsten Schritt zu gehen. Erst dann werden die noch fehlenden Daten ? Antrieb, Struktur, Leistung, Reichweite, Tiefgang und Betriebsbedingungen ? es ermöglichen, die FUSION wirklich als Schiff zu beurteilen und nicht mehr nur als 118-Meter-Konzept.

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