Die ersten Gewinner der Cap-Martinique 2026 sind nun bekannt. Nach 4.000 Meilen zwischen La Trinité sur Mer und Fort de France gewannen Sam Manuard und Erwann Le Mené mit ihrer Pogo RC die Doppelkategorie, während Alexandre Ozon mit der JPK 10.50 Trophée Estuaire Rose die Einhand-Kategorie für sich entschied.
Neben den Platzierungen zeigen diese beiden Überquerungen vor allem die Entwicklung des sportlichen Niveaus dieses Amateurrennens, das unter der Vermessung IRC ausgetragen wird. Denn diese Ausgabe 2026 hat den Seglern einen Atlantik auferlegt, der weitaus komplexer war als erwartet.

Unbeständiges Wetter wirbelte die Flugbahnen durcheinander
Die Teilnehmer hofften, bald wieder die klassischen Passatwinde für Transatlantikregatten zu den Antillen zu finden. Doch die Wetterbedingungen haben das Rennszenario grundlegend verändert. Übergangszonen, unregelmäßige Winde und lange Abfahrten nach Süden zwangen die Mannschaften, ihre Kurse ständig zu überdenken.
Sam Manuard und Erwann Le Mené wählten eine Route zwischen den Kapverdischen Inseln, um mehr Druck zu erhalten. Auch Alexandre Ozon musste sehr tief sinken, bevor er wieder nach Martinique aufsteigen konnte. Der Einhandsegler fasst dieses Gefühl der ständigen Verlängerung zusammen: " Das war die GTA, die Grand Tour de l'Atlantique. Wenn du dir anschaust, dass du immer noch tauchen, tauchen, tauchen musst, und dann bei Kap 300 wieder aufsteigst, um nach Martinique zu kommen, dann denkst du, dass da doch was dran ist."
Dieses atypische Wetter wertete die Boote, die trotz wechselnder Windwinkel hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten halten konnten, stark auf.

Pogo RC und JPK 10.50, zwei technische Ansätze zur Leistungssteigerung
Die beiden Sieger segelten auf Segelbooten, die sich in ihrer Philosophie stark unterscheiden. Der von Sam Manuard entworfene Pogo RC bevorzugt die Kraft auf dem Vorwindkurs mit einem breiten Heckkiel, einer geringen Verdrängung und einer starken Beschleunigungsfähigkeit unter Spinnaker. Diese Architektur ermöglicht es, hohe Geschwindigkeiten zu halten, auch wenn der Kurs länger wird. Das Duo stand zu dieser Strategie, indem es auf das Potenzial des Bootes setzte, um die zusätzlich zurückgelegten Meilen zu kompensieren.
Auf der anderen Seite bestätigte Alexandre Ozons JPK 10.50 ihre Vielseitigkeit bei unterschiedlichen Ozeanbedingungen. Die Yacht der bretonischen Werft bleibt dank ihrer allgemeinen Ausgewogenheit und ihrer Fähigkeit, unter Autopilot schnell zu bleiben, unter IRC-Vermessung besonders leistungsfähig. Alexandre Ozon selbst betont dieses Potenzial: " Das Boot hält nicht an. An einem bestimmten Punkt fragt man sich vor allem, wie weit man hineinschlagen kann" Während mehrerer Sequenzen unter Spinnaker erklärte der Skipper, dass er die Durchschnittsgeschwindigkeit von 14 Knoten überschritten habe.

Die IRC-Messung behält eine echte taktische Dimension bei
Bei der Cap-Martinique wird nicht nur das zuerst ankommende Boot belohnt. Wie bei vielen IRC-Rennen werden die Zeiten entsprechend den technischen Eigenschaften der Segelboote korrigiert. Die Pogo RC von Manuard und Le Mené hatte ein hohes Rating und ein Handicap von etwa 30 Minuten pro Renntag. Dieser Nachteil zwang das Duo dazu, in Echtzeit große Lücken zu reißen. Die JPK 10.50 von Alexandre Ozon hatte einen günstigeren Koeffizienten, der es ihm ermöglichte, den Sieg im Alleingang schnell zu sichern, sobald er die Ziellinie überquert hatte.
Diese IRC-Logik veranlasst die Segler, der Regelmäßigkeit und dem Erhalt des Materials den Vorzug vor einem ständigen Angriff zu geben. Und bei mehr als 21 Tagen auf See kann der kleinste Fehler beim Kurs oder beim Umgang mit der Müdigkeit mehrere Stunden kosten.

Ob allein oder im Doppel, die Müdigkeit bleibt der Hauptgegner
Die beiden Siege verdeutlichen auch zwei sehr unterschiedliche Arten, mit dem Atlantik umzugehen. Im Doppelzweier ermöglichen die Wachen ein konstant getrimmtes Boot mit mehr Klarheit bei den Wetterentscheidungen. Aber auch wenn die Bedingungen unbeständig werden, bleibt das Tempo sehr hoch.
Beim Einhandsegeln wird die körperliche und geistige Belastung viel größer. Alexandre Ozon musste die Manöver, die Einstellungen, das Wetter und die Überwachung des Bootes über drei Wochen lang allein bewältigen.
Diese fortschreitende Ermüdung wird bei modernen Segelbooten, die tagelang hohe Geschwindigkeiten halten können, oft zum wichtigsten limitierenden Faktor.

Ein Amateurrennen, das seinen kollektiven Geist bewahrt
Trotz des Wettbewerbs behielten die Teilnehmer während der gesamten Überfahrt einen starken Geist der gegenseitigen Unterstützung bei. In einer WhatsApp-Gruppe trafen sich die Mannschaften, um sich gegenseitig technische Ratschläge zu geben und bei Problemen an Bord aus der Ferne zu helfen. Alexandre Ozon half mehreren Teilnehmern, die mit elektronischen Problemen zu kämpfen hatten.
Auch Sam Manuard betonte diese Solidarität, die bei einem Hochseerennen selten ist: "Die Jungs erzählten von ihren Problemen und halfen sich gegenseitig. Ich kenne keine anderen Rennen, die so etwas machen" Diese Kultur des Teilens ist auch heute noch eine der starken Besonderheiten der Cap-Martinique. Und es ist wahrscheinlich diese Mischung aus sportlichem Wettkampf und kollektivem Abenteuer, die mittlerweile eine immer erfahrenere Flotte zu dieser Atlantiküberquerung anzieht.

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