Redaktion / Das Golden Globe Race verwandelt sich am Kap Hoorn in eine Art ?Loft Story?

Robin Knox-Johnston an Bord der ?Suhaili? im Jahr 1968
Robin Knox-Johnston an Bord der ?Suhaili? im Jahr 1968

Das Golden Globe Race steht ganz im Zeichen einer Segelweise, die an das Jahr 1968 angelehnt ist. Keine Wetterdaten an Bord, keine moderne Kommunikation mit dem Festland. Doch bei einigen Skippern wird eine Kamera es dem Publikum ermöglichen, das Leben an Bord auf YouTube mitzuverfolgen.

Willkommen im Loft, irgendwo in den Vierzigern

Darauf musste man erst einmal kommen. Segelboote alter Bauart zu nehmen, ihre Skipper mit Navigationsmitteln aus dem Jahr 1968 um die Welt zu schicken, ihnen die Kommunikationsmittel vorzuenthalten, die heutzutage bei jeder Ozeanüberquerung selbstverständlich sind, und mittendrin eine Kamera zu installieren, um sie auf YouTube zu verfolgen.

Das Golden Globe Race hat vielleicht gerade eine neoklassische Version von ?Loft Story? am Kap Hoorn erfunden.

Das Prinzip des ?GGR Live Window? steht jedoch im Einklang mit den Regeln des Rennens. Die Übertragung erfolgt nur in eine Richtung. Die Bilder werden per Satellit vom Boot gesendet, aber es kommt nichts zum Skipper zurück. Keine kurze Nachricht von der Familie, keine Wettervorhersage, kein YouTube-Kommentar, der zwischen zwei Halsen vorgelesen wird. Der Segler bleibt also isoliert. Wird aber von Tausenden von Zuschauern beobachtet, ganz im Stil der ?Truman Show?.

Der Skipper befindet sich im Jahr 1968, der Zuschauer im Jahr 2026

Und genau hier wird die Sache erst richtig spannend. Die gesamte Philosophie des Golden Globe Race basiert auf einer Rückkehr zu einer gewissen technologischen Einfachheit. Der Segler bestreitet seine Weltumsegelung mit Ausrüstung, die derjenigen ähnelt, die bei der ersten Ausgabe zur Verfügung stand.

Doch hinter seinem Bildschirm kann der Erdbewohner diesen Seemann, der angeblich von der Welt abgeschnitten ist, mehrere Stunden lang beobachten.

An diesem Experiment sollen sieben Teilnehmer teilnehmen. Ihre Bilder werden nacheinander in Zeitfenstern von zwei bis drei Stunden übertragen, wobei die Möglichkeit besteht, das Boot zu wechseln, wenn ein Ereignis es rechtfertigt, die Kamera in eine andere Richtung zu richten. Außerdem sollen biometrische Daten an Land übermittelt werden.

Letztendlich fehlt nur noch der Beichtstuhl.

Die Einsamkeit wird zum Spektakel

Kommunikation ist seit jeher ein fester Bestandteil der Hochseeregatta. Die Segler der Vendée Globe stehen mit dem Festland in Kontakt, senden Videos, beantworten Fragen der Medien und nutzen den ganzen Tag über WhatsApp. Das ist nichts Ungewöhnliches ? über die Hochseeregatta wird schließlich auch von Bord aus berichtet.

Doch gerade das Golden Globe Race pflegt eine andere Philosophie. Es setzt auf Schlichtheit, Boote alter Bauart, eine vom Jahr 1968 inspirierte Art des Segelns und den Verzicht auf moderne Kommunikationsmittel für den Skipper. Dass nun ein Live-Video-Fenster erscheint, hat daher etwas herrlich Widersprüchliches. An Bord reist man in die Vergangenheit. An Land öffnet man YouTube. Der Segler segelt wie im Jahr 1968, doch mit dem Publikum von ?Loft Story? hinter dem Bullauge.

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