Nach dem Aus bei der Route du Rhum findet Geodis nach einer umfangreichen Umbauphase wieder zu seiner alten Form zurück

Geodis ist in Port-Saint-Louis-du-Rhône wieder in seinem Element
Geodis ist in Port-Saint-Louis-du-Rhône wieder in seinem Element © Maxime Leriche

Mehr als 30 Jahre nach ihrem ersten Stapellauf sticht die ?Geodis? erneut in See. Antoine Brunet und Caroline Da Silva haben mehrere Monate damit verbracht, den ehemaligen Sieger der Vendée Globe und der Boc Challenge gründlich zu überholen. Ein zweites Leben, in dem nun die Route du Rhum 2026 in greifbare Nähe rückt.

Zu sehen, wie die ?Geodis? in Port-Saint-Louis-du-Rhône wieder ins Wasser gelassen wird, bekommt eine ganz besondere Bedeutung, wenn man die Geschichte des Bootes kennt. Die Finot-Konstruktion aus dem Jahr 1994 hat einen langen Weg hinter sich. Antoine Brunet und Caroline Da Silva haben sich jedoch nicht damit begnügt, eine alte 60-Fuß-Open-Yacht zu retten: Sie wollen sie nun segeln und an Regatten teilnehmen lassen. Dabei haben sie die Route du Rhum im Visier, was das Projekt in einer ganz neuen Dimension erscheinen lässt.

Eine 60-Fuß-Yacht, die gebaut wurde, um die Welt umrundet

Bevor sie in ?Geodis? umbenannt wurde, wurde die Einrumpfyacht 1994 unter dem Namen ?Sceta Calberson 4? vom Stapel gelassen. Sie wurde vom Architekturbüro Finot für Christophe Auguin entworfen und gehört zu einer Generation von 60-Fuß-Open-Yachten, die sich noch deutlich von den heutigen IMOCA-Yachten unterscheiden. Sie war schmaler als einige ihrer Zeitgenossinnen, verfügte jedoch bereits über einen Tiefgang von 4,50 m und war darauf ausgelegt, vor dem Wind sehr leistungsstark zu sein.

Seine Erfolge lassen nicht lange auf sich warten. Christophe Auguin gewinnt 1994 die BOC Challenge, eine Einhand-Weltumsegelung mit Zwischenstopps, und anschließend 1996 die Vendée Globe. Am 17. Februar 1997 überquert er nach 105 Tagen und 20 Stunden auf See die Ziellinie in Les Sables d?Olonne.

Das war aber noch nicht alles. 1998 stellte Auguin unter anderem einen Rekord für die Atlantiküberquerung von New York nach Cape Lizard in 9 Tagen, 22 Stunden und 59 Minuten auf. Anschließend wechselte der Einrumpfboot mehrmals den Besitzer und den Namen. Bernard Gallay belegte an Bord dieses Bootes den achten Platz bei der Vendée Globe 2000/2001. Hervé Laurent nahm an der ?Transat? 2004 und anschließend an der ?Vendée Globe? 2004/2005 teil, die er jedoch nach dem Verlust eines Ruders aufgeben musste. Philippe Fiston setzte das Boot 2006 erneut bei der ?Route du Rhum? ein.

Diese lange Karriere erklärt auch zum Teil die aktuellen Umbauarbeiten. Die Geodis ist kein Boot, das in ihrer Konfiguration von 1994 erstarrt ist. Kiel, Takelage, Strukturen, Innenausstattung und Ballast wurden im Laufe ihrer verschiedenen Einsätze modifiziert.

Vom Rennboot zum verlassenen Segelboot in Cherbourg

Geodis à l'abandon à Cherbourg
Geodis in Cherbourg im Verfall begriffen

Nach ihrer Zeit auf hoher See verschwindet die ehemalige ?Geodis? nach und nach aus den Startreihen. Sie verbleibt noch mehrere Jahre in Cherbourg, wo sich ihr Zustand zunehmend verschlechtert. Im Jahr 2024 gleicht sich schließlich die administrative Situation dem technischen Zustand an: Seinem Eigentümer wird das Eigentumsrecht entzogen, nachdem sich mehr als 50.000 Euro an unbezahlten Hafengebühren angehäuft hatten. Die Stadt Cherbourg übernimmt daraufhin das Schiff.

Die 60-Fuß-Yacht wird schließlich im Frühjahr 2025 versteigert. Antoine Brunet und Caroline Da Silva erwerben sie für weniger als 16.000 Euro.

Das Paar verfügt über einen Teil der erforderlichen Kompetenzen. Antoine arbeitet im Bereich Verbundwerkstoffe und hat eine Ausbildung zum Schiffszimmermann sowie Erfahrung auf einer Werft. Caroline verfügt ihrerseits über zwanzig Jahre Erfahrung in der Schifffahrtsbranche.

Au départ de Cherboug, cap sur Port Saint Louis du Rhône
Ab Cherbourg geht es in Richtung Port-Saint-Louis-du-Rhône ©antoinebrunet

Nach einer ersten Instandsetzung in Cherbourg, die das Schiff wieder seetüchtig machen sollte, verlässt die ?Geodis? am 18. August 2025 die Normandie. Nach einer Überführung von mehr als 2.000 Seemeilen erreicht sie am 4. September das Mittelmeer. Doch diese erste Fahrt ist nur eine Etappe. Am 12. Dezember 2025 wird das Schiff in Port-Saint-Louis-du-Rhône aus dem Wasser gehoben. Nun kann die eigentliche Überholung beginnen.

Kiel, Ruder, Takelage und Rumpf ? die Werft dringt bis ins Innerste des Schiffes vor

Bei einem alten 60-Fuß-Boot geht es nicht nur darum, herauszufinden, was noch funktioniert. Man muss die Bauteile überprüfen, die den Belastungen ausgesetzt sind, und die Zuverlässigkeit eines Bootes wiederherstellen, das wieder in See stechen soll.

Un gros chantier en vue pour les nouveaux propriétaires ©antoinebrunet
Auf die neuen Eigentümer wartet eine große Baustelle ©antoinebrunet

Der Kiel und die Ruderblätter wurden ausgebaut. Die Lager wurden ausgetauscht. Die Hydraulikzylinder wurden überholt, wobei die Kolbenstangen und Dichtungen bearbeitet wurden. Der Rumpf wurde vor dem erneuten Auftragen der Spachtelmasse und der Endbearbeitung vollständig abgeschliffen.

Auch die Takelage wird umfassend überarbeitet: Der Mast wird durch ein neueres Modell ersetzt, ebenso wie die Großschotschiene. Ein Großteil der Beschläge wird erneuert. Auch die Fallen, Schoten und Endsäcke stehen auf der Liste der Werftarbeiten. Alle Ballasttanks, an denen verschiedene Änderungen vorgenommen worden waren, wurden entfernt, um die Zuverlässigkeit des Schiffes zu erhöhen.

Auf dem Deck werden die Verkleidungen überarbeitet oder verändert. Die Bullaugen werden ausgebaut, um ihre Dichtheit wiederherzustellen, während auf dem Dach zusätzliche zu öffnende Fenster angebracht werden. Die Elektronik wird überarbeitet, und das Heck, das bereits bei den Arbeiten in Cherbourg überarbeitet wurde, erhält Verstärkungen aus Carbon.

Ein Teil dieser Arbeiten wird direkt von Antoine durchgeführt, insbesondere die Arbeiten mit Verbundwerkstoffen. Diese Vorgehensweise hilft, die Kosten niedrig zu halten, ist jedoch zeitaufwendig. Seit Dezember 2025 widmet das Paar neben seiner beruflichen Tätigkeit mehrere Tage pro Woche dem Boot.

Auch das Netzwerk von Seglern, das sich um das Boot gebildet hat, spielt eine wichtige Rolle. Bertrand de Broc, der auf diesem 60-Fuß-Boot gesegelt ist und dessen Pate geworden ist, bringt seine Erfahrung ein. Christophe Auguin, Kito de Pavant und Nicolas Rouger haben ebenfalls an dem Projekt mitgewirkt oder mit Rat und Material geholfen.

Die Route du Rhum verleiht dem Projekt eine neue Dimension

Die ?Geodis? wurde am 29. August von den Teams von Port Navy Service wieder zu Wasser gelassen. Familie und Freunde waren zu diesem ereignisreichen Tag angereist.

Geodis, lors de se mise à l'eau le 29 août ©Maxime Leriche
Geodis bei der Indienststellung am 29. August ©Maxime Leriche

Zum Zeitpunkt des Kaufs stand die Teilnahme an der Route du Rhum noch nicht auf dem Programm. Das Ziel bestand zunächst darin, das Boot zu retten, es ins Mittelmeer zurückzubringen und es wieder dauerhaft seetüchtig zu machen.

©Maxime Leriche
©Maxime Leriche

Die positive Resonanz auf das Projekt und die ersten materiellen Unterstützungsleistungen haben die Lage grundlegend verändert. Antoine und Caroline haben daraufhin eine Einladung zur Route du Rhum 2026 beantragt. Das Boot erhielt eine Wildcard, und Antoine findet sich seit dem 24. Juli unter den Teilnehmern des Rennens.

Antoine et Caroline, heureux de remettre à l'eau leur 60 pieds ©Maxime Leriche
Antoine und Caroline freuen sich darauf, ihre 60-Fuß-Yacht wieder zu Wasser zu lassen ©Maxime Leriche

Die ?Geodis? muss im ?Vintage Mono?-Modus segeln und trifft auf einen weiteren Gewinner der Vendée Globe, nämlich die ehemalige ?PRB?, die unter Michel Desjoyeaux und später unter Vincent Riou als ?Victorieux? erfolgreich war. Bevor es zum Start geht, steht jedoch noch ein Schritt an, der weitaus konkreter ist als ein Anmeldeformular: ausreichend segeln, um den Skipper zu qualifizieren und das Boot zu testen.

©Maxime Leriche
©Maxime Leriche

Das Programm sieht daher eine Fahrt vom Mittelmeer nach Cherbourg vor. Angekündigt sind etwa 2.500 Seemeilen, während für die Qualifikation 1.200 Seemeilen außerhalb des Rennens erforderlich sind. Diese Überführung wird vor allem als echter Test unter realen Bedingungen nach dem Refit dienen. Bei einem Boot dieses Alters können ein paar Ausfahrten vor Port Saint Louis nicht mehrere Tage auf See ersetzen, um die Takelage zu belasten, den Kiel zu testen, die Autopiloten zu prüfen und undichte Stellen aufzuspüren.

La table à cartes ©Maxime Leriche
Der Kartentisch ©Maxime Leriche

Für Antoine Brunet ist dies auch eine persönliche Herausforderung. Trotz mehrerer Regatten in der Mini-Klasse im Mittelmeer und zahlreicher Seemeilen an Bord der ?Geodis? wird die Route du Rhum 2026 seine erste Transatlantikregatta sein.

Partner finden, um Geodis nach der ?Rhum?-Regatta weiter voranzubringen

Das Wiederzu-Wasser-Lassen bedeutet also nicht den Abschluss der Restaurierung. Vielmehr leitet es die zweite Phase des Projekts ein, nämlich die sportliche Nutzung des Bootes.

Bislang haben Antoine und Caroline Geodis hauptsächlich aus eigenen Mitteln finanziert, ergänzt durch Darlehen, Sachspenden und gebrauchte Segel. Diese Art des Sparens durch Wiederverwertung macht bei einem Oldtimer-Boot zwar Sinn, stößt aber an ihre Grenzen.

Das Paar sucht daher nach Partnern, um das Budget für die Route du Rhum 2026 zu sichern und die nächsten Schritte vorzubereiten. Denn es geht nicht darum, den Atlantik zu überqueren, bevor die ?Geodis? endgültig am Steg festgemacht wird.

Nach der Rhum-Regatta muss das Boot nach Port Saint Louis du Rhône zurückkehren. Antoine und Caroline planen bereits weitere Regatten, darunter insbesondere das Rolex Fastnet Race 2027 mit Start in Cherbourg.

32 Jahre nach ihrem ersten Stapellauf beginnt für die ?Geodis? nun ein neuer Abschnitt ihrer Karriere. Es geht nicht mehr darum, dass dieser Finot-Entwurf mit den FOIL-IMOCAs mithalten soll. Die Herausforderung besteht nun darin, ein Boot, das mehrere Generationen des Hochseeregattasports durchlaufen hat, in einem segel- und renntauglichen Zustand zu erhalten. Und um dies zu erreichen, liegt die größte Herausforderung vielleicht nicht mehr im Rumpf. Sie liegt nun in der Suche nach dem Budget, das es ermöglicht, diese Geschichte fortzuschreiben.

©Maxime Leriche
©Maxime Leriche
Weitere Artikel zum Thema