Viel mehr als nur ein Rennbericht
Es ist schon lange her, dass mir das Lesen eines Berichts über einen Hochseeregatta so viel Freude bereitet hat. ?Une défi de fou? hätte lediglich das Tagebuch eines erst spät verwirklichten Jugendtraums sein können: der Traum von Jean d?Arthuys, der an Bord der ?Triana?, einer Swan 53, im Rahmen des Ocean Globe Race 2023?2024 um die Welt segelte. Natürlich geht es um die Vorbereitung, die Etappen, das Wetter, technische Probleme und die Navigation. Doch schon sehr bald gewinnt das Buch eine ganz andere Dimension. Das Rennen wird zum Rahmen einer viel persönlicheren Geschichte.
Das Meer von seiner menschlichsten Seite
Was mich besonders beeindruckt hat, war diese Fähigkeit, vom Meer zu erzählen, ohne ständig nach Heldentaten zu suchen. Jean d?Arthuys vermittelt die fast kindliche Freude, auf dem Wasser zu sein, aber auch das Zusammenleben auf engstem Raum, die Müdigkeit, die Spannungen und die Schwierigkeiten einer Crew, die wochenlang auf einem Segelboot eingesperrt ist. Und dann gibt es diese Momente, in denen alles langsamer wird: ein Vogel, ein Sonnenaufgang, ein paar Minuten der Besinnung mitten auf dem Ozean. Diese Passagen sind genauso wichtig wie die Manöver oder die Wahl der Route.

Aufbrechen, um einen alten Traum zu verwirklichen
Das Buch ist zugleich eine Reflexion über das Vergehen der Zeit und über die Entscheidungen, die ein Leben prägen. Der Autor blickt auf seine Herkunft, seinen Werdegang, sein Engagement und jenen Jugendtraum zurück, den er schließlich zu verwirklichen beschloss. Warum aufbrechen, wenn nichts einen dazu zwingt? Warum Unannehmlichkeiten, Risiken, die Entfernung und die Schwierigkeiten des Gemeinschaftslebens in Kauf nehmen? Genau hier geht ?Un défi de fou? über den bloßen Bericht einer Weltumsegelung hinaus und kann auch Leser ansprechen, die nichts von den Feinheiten der Hochseesegelei verstehen.
Auf den Spuren von Bernard Moitessier
Und auch deshalb musste ich an Bernard Moitessier denken, als ich das Buch zuklappte. Nicht nur, weil die beiden Segler dieselbe Route genommen oder dasselbe Abenteuer erlebt hätten, sondern weil das Meer bei Jean d?Arthuys zu einem Mittel wird, über ganz andere Dinge als zurückgelegte Seemeilen zu sprechen. Wie schon ?La Longue Route? zu seiner Zeit lässt sich ?Un défi de fou? auch fernab von den Anlegestellen lesen. Segler, Regattasegler, Landratten und sogar Jugendliche können darin ihren eigenen Zugang finden. Das ist meiner Meinung nach das, was die besten Seefahrtsgeschichten ausmacht: Man schlägt sie auf, um sich auf eine Reise zu begeben, und schließt sie wieder, während man über das eigene Leben nachdenkt.

Eine wahnsinnige Herausforderung ? Jean d'Arthuys
- Editions du Rocher
- 14,1 × 20,6 cm
- 382 Seiten
- Ab dem 23. September 2026 im Buchhandel erhältlich
- 20,90 ?

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