Stravaganza 42: Extremer One-Off beim Start des Bol d'Or 2026 erwartet

© Whitehouse Yacht Design

Beim Bol d'Or 2026 wird es einen Konkurrenten geben, der nicht unbemerkt bleibt. Obwohl er bereits 2011 auf den Markt kam, sorgt dieser Prototyp immer noch für Aufregung. Die Stravaganza 42 wurde von dem britischen Architekten Jo Richards entworfen und verwendet Lösungen, die bei einem Einrumpfboot nur selten zu sehen sind.

Am Genfersee mangelt es nicht an atypischen Projekten. Einige fallen jedoch sofort ins Auge. Mit der Stravaganza 42, die an der Startlinie des Bol d'Or 2026 erwartet wird, scheint der Cursor besonders weit nach oben geschoben worden zu sein.

Dieses 42 Fuß lange Einrumpfboot entstand aus der Begegnung zwischen einem erfahrenen italienischen Eigner und dem britischen Schiffsarchitekten Jo Richards, der in der Szene für mehrere schnelle Renn- und Seeboote bekannt ist. Die Aufgabenstellung war auf dem Papier einfach: ein Segelboot zu bauen, das die oft leichten und unbeständigen Bedingungen des Genfersees oder der Gewässer im östlichen Mittelmeerraum optimal ausnutzen konnte.

Um dies zu erreichen, weichen die technischen Entscheidungen offen gesagt von den üblichen Standards ab.

Ein Kiel, der bis zu 100° kippen kann

Das Herzstück des Projekts ist sein Pendelkielsystem. Die Stravaganza 42 wurde um einen zentralen zylindrischen Ring herum konstruiert, der in den Rumpf integriert ist und es dem Kiel ermöglicht, sich um bis zu 100° nach jeder Seite zu drehen. Diese Amplitude ist für ein Einrumpfboot dieser Größe besonders groß.

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Ziel ist es, das aufrichtende Moment zu maximieren und gleichzeitig die benetzte Fläche und den hydrodynamischen Widerstand zu reduzieren. Das Boot ist so konzipiert, dass es mit etwa 10° Krängung vor dem Wind segeln kann. In dieser Konfiguration kann die Bulge teilweise aus dem Wasser ragen.

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Wenn die Wölbung auftaucht, erzeugt ihr Volumen keinen parasitären Auftrieb mehr. Den Projektdaten zufolge erhöht sich das aufrichtende Moment dann um etwa 10 %, während der Luftwiderstand des Anhängsels stark abnimmt. Der angekündigte Geschwindigkeitszuwachs beträgt manchmal mehr als 2 Knoten.

Eine Rumpfarchitektur, die darauf ausgelegt ist, die natürliche Stabilität zu begrenzen

Eine weitere Besonderheit ist, dass der Rumpf selbst so entworfen wurde, dass er wenig intrinsische dynamische Stabilität erzeugt.

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Die hinteren Sektionen sind breit und relativ quadratisch, während die vorderen Wasserlinien sehr schmal bleiben. Diese Entscheidung verringert den Widerstand in leichten Böen und nutzt die Arbeit des Kippkiels voll aus.

Das heißt, das Boot versucht nicht, sich auf den Rumpf zu stützen, um sich aufzurichten, wie es bei einem klassischen Einrumpfboot der Fall ist. Die gesamte Kraft liegt hauptsächlich bei den beweglichen Anhängseln.

Carbon Prepreg für die Anhängsel

Ein weiteres zentrales Element des Projekts sind die Anhänge. Die beiden asymmetrischen Tragflächen, die sich hinter dem Mittelbereich befinden, sowie das Ruderblatt sind aus hochtemperaturbeständiger, vorimprägnierter Kohlefaser gefertigt. Der massive Einsatz von Karbon erklärt sich hier durch die Belastungen, die durch den pendelnden Kiel und die hohen Lasten, die bei hohen Geschwindigkeiten in die Anhänge übertragen werden, entstehen.

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Die Funktion des Kiels beruht auf einem hydraulischen System, das von einer nur 40 kg schweren Lithiumbatterie gespeist wird. Den Projektdaten zufolge würde diese Energiereserve 170 bis 180 vollständige Manöver ermöglichen. Das Energiemanagement wird hier zu einem zentralen Thema. Im Gegensatz zu herkömmlichen Hydrauliksystemen, die von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, arbeitet das Ganze mit einer viel kompakteren und leichteren Logik.

Ein Boot, das auf die Bedingungen des Genfersees zugeschnitten ist

Der Genfersee stellt ein besonderes Spielfeld dar. Die Winde sind dort oft unregelmäßig, mit starken Druckschwankungen und komplexen thermischen Effekten. Nun bleibt abzuwarten, wie sich dieses sehr technische Konzept in der Realität des Bol d'Or schlägt, insbesondere gegen die großen Katamarane des TF35 oder die schärfsten Einrumpfboote des Sees.

Eines scheint jedoch schon jetzt sicher: An der Startlinie dürfte die Stravaganza 42 nicht unbemerkt bleiben.

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