Eine Ducati-Sonderedition, die noch vor dem Schiff selbst vorgestellt wurde
Der Name Ducati hält Einzug auf dem Wasser, doch es wird noch etwas Geduld erfordern, bis man das Boot, das diesen Namen trägt, in Fahrt sehen kann. SACS Marine stellte die ?Pirelli 44 Ducati Edition? am 10. September 2026 in Cannes am Rande des Cannes Yachting Festivals vor. Dieser erste Auftritt erfolgte in Form eines Modells. Der Hersteller kündigt die Vorstellung des endgültigen Bootes in den kommenden Monaten an, ohne vorerst ein genaueres Datum zu nennen.

Die Serie wird auf 26 Exemplare limitiert sein. Diese Zahl wurde nicht zufällig gewählt: Ducati wurde 1926 gegründet und feiert daher im Jahr 2026 sein hundertjähriges Jubiläum.

Diese Zeitachse ist wichtig, um zu verstehen, was heute tatsächlich analysiert werden kann. Anhand der Bilder, des Modells und der angekündigten Eigenschaften lässt sich das Projekt beschreiben. Sie ermöglichen es jedoch noch nicht, sein Seeverhalten, seine tatsächliche Leistung oder die Auswirkungen seiner Änderungen im Vergleich zur herkömmlichen Pirelli 44 zu beurteilen.

Ducati ist bei diesem Projekt übrigens nicht allein. Der Motorradhersteller schließt sich einer langjährigen Partnerschaft zwischen Pirelli und SACS Marine an. Letzteres Unternehmen baut und vertreibt unter Lizenz die Pirelli-Schnellboote. Die Pirelli 44 Ducati Edition ist somit eine Variante eines von einer Werft entworfenen Bootes und kein direkt von Ducati entwickeltes Boot.

Diese Unterscheidung verhindert eine verlockende Vereinfachung: Hinter dem Wappen von Borgo Panigale verbirgt sich in erster Linie ein Maxi-RIB der SACS Marine.

Der Pirelli 44 bildet die technische Grundlage
Die Basis bildet die neue Pirelli 44, ein Walkaround-Boot mit Schwimmern, dessen Gesamtlänge mit 13,10 m und dessen maximale Breite mit 4,30 m angegeben wird. In den Unterlagen zum Standardmodell sind Schwimmer mit einem Durchmesser von 60 cm angegeben, die in sechs Kammern unterteilt sind.
Der Begriff ?Maxi-RIB? sollte an dieser Stelle näher erläutert werden. Das Pirelli 44 verfügt zwar weiterhin über aufblasbare Schwimmer, doch sein Konzept und seine Ausstattung unterscheiden es deutlich von einem schlichten Festrumpfboot, das ausschließlich für den schnellen Transport gedacht ist. Dank des großzügig gestalteten Decks, der Entspannungsbereiche und des geräumigen Innenraums eignet es sich als Tagesboot und sogar für kurze Übernachtungen an Bord.

Unterhalb der aufwendig gestalteten Decklinie ist das technisch interessanteste Element nach wie vor der vom Mannerfelt Design Team entworfene Rumpf. Dieser weist zwei Stufen bzw. Querstufen auf.
Bei hoher Geschwindigkeit tragen diese Brüche in der Rumpfgeometrie zur Steuerung der Strömungen unter dem Rumpf bei. Ihre Funktionsweise hängt jedoch von zahlreichen Parametern ab: Trimm, Gewichtsverteilung, Geschwindigkeit, Position der Motoren und Propeller sowie Seegang. Ein Double-Step allein ist daher keine Garantie für Geschwindigkeit oder Komfort.
Vor allem ist diese Architektur nicht spezifisch für die Ducati Edition. Sie stammt vom Pirelli 44. Der wesentliche nautische Inhalt des Projekts existierte also bereits vor dem Eintreffen der Ducati-Designer.

Drei Mercury Racing 500 sorgen dafür, dass die angegebene Leistung 1.500 ch erreicht
Der auf dem Papier spektakulärste Unterschied liegt im Heckbereich. Die in Cannes in ihrer Standard-Außenbordkonfiguration vorgestellte Pirelli 44 ist insbesondere mit drei Mercury Verado V10-Motoren mit jeweils 425 ch ausgestattet. Die Gesamtleistung beträgt somit 1.275 ch.
Für die Ducati Edition kündigt SACS Marine drei Mercury Racing-Motoren mit jeweils 500 ch an. Die Gesamtleistung steigt damit auf 1.500 ch, was einer Steigerung von 225 ch gegenüber der bisherigen Konfiguration mit drei V10-Motoren à 425 ch entspricht.

Bei einem Schnellboot dieser Größe bedeutet eine Leistungssteigerung jedoch nicht nur, dass sich die technischen Daten um ein paar Zahlen verbessern. Eine solche Installation wirft Fragen hinsichtlich des Gewichts am Heck, der Schwerpunktlage, der strukturellen Festigkeit, der Wahl der Propeller, der Einbauhöhe und der Trimmverstellung auf.
Und eine Angabe bedarf besonders einer Klarstellung. Das für den Standard-Pirelli 44 veröffentlichte technische Datenblatt gibt derzeit eine maximal installierbare Leistung von 1.350 ch an. Die Ducati Edition wird jedoch mit 1.500 ch angegeben.
Daraus darf man jedoch nicht schließen, dass eine Inkompatibilität vorliegt: Die Sonderserie kann eine andere technische Definition, einen anderen Aufbau oder eine andere Zertifizierung aufweisen. Bislang liegen jedoch keine veröffentlichten Informationen vor, die dies eindeutig belegen.
Vor der Vorstellung des endgültigen Bootes muss SACS Marine daher noch darlegen, inwiefern dieser 1.500-ch-Motor den zugelassenen technischen Spezifikationen der Ducati Edition entspricht.

Ducati konzentriert sich zunächst auf die Gestaltung und die Details des Bootes
Der Einfluss von Ducati kommt im Design und in der Verarbeitung deutlich stärker zum Ausdruck. Die Gestaltung wurde gemeinsam mit dem Centro Stile Ducati entwickelt und greift die Stilelemente der Superleggera V4 Centenario auf. Das Hardtop besteht aus Carbon, während der Fahrerbereich unter anderem mit Alcantara ausgestattet ist. Schwarze Metallelemente, eine Gedenkplakette und eine individuelle Kennzeichnung für jedes der 26 Exemplare runden diese Besonderheiten ab.
Die Verbindung zur Welt des Motorrads zeigt sich sogar auf den Schwimmern. Bei den Pirelli-Speedboats greift das Relief traditionell ein Design auf, das von den Regenreifen der Marke für den Rennsport inspiriert ist. Bei der Ducati Edition bezieht sich das angekündigte Motiv auf den Pirelli Diablo Supercorsa SP, der bei der Superleggera V4 Centenario zum Einsatz kommt.
Das Design wurde in Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Entwicklungszentrum von Pirelli entwickelt. Es dient in erster Linie als visuelles Erkennungsmerkmal. Aus den vorliegenden Angaben lässt sich keine bestimmte hydrodynamische Funktion ableiten.

Die gleiche Vorsicht ist bei den Elementen geboten, die das Heck im Bereich der Motoren optisch verlängern. Ihr Design ist von den in der MotoGP verwendeten Verkleidungen inspiriert, und SACS Marine präsentiert sie als aerodynamische Verlängerungen. Da jedoch keine Messdaten oder Vergleichsergebnisse vorliegen, lässt sich ihr Einfluss auf die Leistung des Bootes nicht beurteilen.
Bei hohen Geschwindigkeiten spielt die Aerodynamik eines offenen Bootes zwar durchaus eine Rolle. Doch zwischen der Konzeption und einem quantifizierbaren Gewinn liegt noch ein langer Weg.

Das Programm sieht weiterhin einen (sehr) schnellen Walkaround vor
Unter seiner Ducati-Karosserie behält das Boot die Konfiguration der Pirelli 44 bei. Der Decksplan legt den Schwerpunkt auf die Bewegungsfreiheit rund um die Steuerkonsole und die Außenbereiche. Im vorderen Bereich bietet das Deck einen großzügigen Entspannungsbereich. Im hinteren Cockpit sorgen die Sitzgelegenheiten dafür, dass der Raum je nach Nutzung flexibel gestaltet werden kann, während der Steuerstand durch eine Windschutzscheibe und das Hardtop geschützt ist.
Dank des geräumigen Innenraums lässt sich ein Ausflug auch über den Tag hinaus verlängern. Auf der Standardausführung der Pirelli 44 umfasst die untere Raumaufteilung einen Schlafbereich, der sich in ein Bett umwandeln lässt, sowie ein separates Badezimmer.
In den Unterlagen zum Standardmodell werden außerdem etwa 950 Liter Treibstoff und 200 Liter Frischwasser angegeben. Das Gewicht mit den Standardmotoren wird mit rund 8,5 Tonnen angegeben.
Diese Werte dienen als Anhaltspunkte zum Verständnis des Bootes, sollten jedoch nicht automatisch auf die Ducati Edition übertragen werden. Das Hardtop aus Carbon, die spezielle Ausstattung und vor allem der Mercury-Racing-Motor können das Gewicht und dessen Verteilung beeinflussen.

Die Leistungsdaten des Pirelli 44 Ducati Edition sind noch nicht bekannt
Bei 1.500 PS auf rund 13 m wäre die Versuchung groß, den Pirelli 44 Ducati Edition sofort in eine Rekordmaschine zu verwandeln. Die vorliegenden Daten lassen dies jedoch nicht zu.
Für diese Konfiguration liegen noch keine überprüften Höchstgeschwindigkeiten vor. Gleiches gilt für die Reisegeschwindigkeit, den Verbrauch, die Reichweite und die Drehzahlen bei den verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten.
Diese Zahlen werden jedoch entscheidend sein, um die Kohärenz des Ganzen zu beurteilen.
Bei einem Schnellboot sagt die Höchstgeschwindigkeit nur wenig über die Gesamtleistung aus. Die Fähigkeit, eine korrekte Trimmung beizubehalten, das Fahrverhalten bei Wellengang, die Beschleunigung, die Kursstabilität und das Kurvenverhalten sind mindestens ebenso interessant. Hinzu kommen ganz alltägliche Aspekte wie Kraftstoffverbrauch, Geräuschentwicklung, Reichweite und Manövrierbarkeit.
Der Mannerfelt-Rumpf verleiht der Pirelli 44 eine Basis, die für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt ist. Doch erst ein Test wird zeigen, wie sie sich mit den drei Mercury Racing 500 und dem spezifischen Gewicht der Ducati Edition verhält.
Zu welchem Preis?
Bislang wurden noch keine Preise bekannt gegeben. Angesichts der Positionierung der Pirelli-Modelle vergleichbarer Größe, des Dreifach-Antriebs mit drei Mercury Racing 500-Motoren und der speziellen Ausstattung dieser limitierten Serie könnte der Preis der Ducati Edition bei rund einer Million Euro liegen oder diese sogar übersteigen. Dieses Preisniveau muss jedoch noch von SACS Marine bestätigt werden.

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