Das AIS der Klasse B+ erreicht einen neuen Meilenstein
Die automatische Schiffsidentifizierung ist mittlerweile zur Standardausstattung an Bord von Freizeitbooten geworden, die auf hoher See fahren oder stark befahrene Gewässer befahren. Zwar basieren die meisten Anlagen noch auf AIS-Transpondern der Klasse B, die die CSTDMA-Technologie nutzen, doch hält mit dem AIS der Klasse B+, auch SOTDMA genannt, eine neue Generation von Geräten Einzug.
Die neue AMEC B650-Produktreihe, die in Frankreich von Navicom vertrieben wird, nutzt diese Technologie, die bereits bei professionellen Transpondern der Klasse A zum Einsatz kommt. Das Ziel besteht nicht darin, die Funkreichweite zu erhöhen, sondern eine bessere Verfügbarkeit der Übertragungen zu gewährleisten, wenn der Schiffsverkehr dicht wird.
Übertragungspriorität in überlasteten Bereichen
Der Hauptunterschied zwischen einem herkömmlichen AIS der Klasse B und einem SOTDMA-Modell liegt in der Art und Weise, wie die Sendefenster zugewiesen werden.
CSTDMA-Geräte warten, bis ein Funkzeitfenster frei wird, bevor sie ihre Position übermitteln. Wenn sich viele Schiffe im selben Gebiet befinden, kann diese Wartezeit zu Verzögerungen bei bestimmten Übertragungen führen.
Die SOTDMA-Technologie funktioniert anders. Sie reserviert ihre Sendefenster im Voraus nach dem gleichen Prinzip wie professionelle Transponder der Klasse A. Diese Priorität ermöglicht es, auch in stark frequentierten Häfen, Fahrrinnen oder Verkehrstrennungsgebieten einen regelmäßigen Datenverkehr aufrechtzuerhalten.
Eine weitere Neuerung ist die Erhöhung der Sendeleistung von 2 W bei einem herkömmlichen AIS der Klasse B auf 5 W bei dieser neuen Generation.
Ein schnelleres Update für Schnellboote
Ein weiterer Vorteil des SOTDMA-Protokolls betrifft die Übertragungsfrequenz. Auf einem schnellen Freizeitboot ändert sich die Position sehr schnell. Bei 23 Knoten legt ein Schiff in dreißig Sekunden etwa 360 Meter zurück ? genau das übliche Aktualisierungsintervall eines herkömmlichen AIS der Klasse B.
Bei Verwendung eines SOTDMA-Transponders wird dieses Intervall bei steigender Geschwindigkeit automatisch auf bis zu fünf Sekunden verkürzt. Im gleichen Szenario legt das Boot zwischen zwei Positionsmeldungen nur noch etwa 60 Meter zurück.
Diese häufigere Aktualisierung verbessert die Qualität der auf den Bildschirmen anderer Schiffe angezeigten Informationen. Sie erleichtert die Vorhersage von Kreuzungen und Kollisionsgefahren, insbesondere für Schnellboote, leistungsstarke Festrumpfschlauchboote oder Schiffe, die in stark befahrenen Gebieten unterwegs sind.
Vier Varianten je nach Bedarf an Bord
Die AMEC B650-Serie ist in vier Ausführungen erhältlich, die auf derselben technischen Basis beruhen. Das Modell B650 ist die Standardausführung für bestehende Anlagen. Das Modell B650S verfügt zusätzlich über einen integrierten VHF-Antennenverteiler, sodass eine einzige Antenne sowohl für VHF als auch für AIS genutzt werden kann.
Das Modell B650W verfügt über eine WLAN-Verbindung, um AIS-Daten an ein Tablet, ein Smartphone oder einen Computer mit Navigationssoftware zu übertragen. Das Modell B650WS schließlich vereint WLAN und Antennenverteiler in einem einzigen Gerät.
Die gesamte Produktreihe verfügt über einen GNSS-Empfänger mit 72 Kanälen sowie über NMEA 0183-, NMEA 2000- und USB-Schnittstellen, um sich in die meisten an Bord vorhandenen elektronischen Netzwerke integrieren zu lassen.
Eine Technologie aus der Handelsmarine
Die Einführung der AIS-Transponder der Klasse B+ verdeutlicht einen Trend, der seit mehreren Jahren in der Schiffselektronik zu beobachten ist. Technologien, die zuvor professionellen Schiffen vorbehalten waren, werden nach und nach auch für Freizeitkapitäne zugänglich.
Für Schiffe, die regelmäßig auf Hauptschifffahrtswegen, in Flussmündungen oder in Hafenzugängen unterwegs sind, liegt der Hauptvorteil nicht allein in der Sendeleistung. Er beruht vor allem auf der Fähigkeit des Systems, zuverlässige Übertragungen aufrechtzuerhalten, wenn die Anzahl der Schiffe zunimmt und die Qualität der AIS-Informationen für die Sicherheit der Schifffahrt entscheidend wird.

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