In der IMOCA-Klasse wird die Entwicklung nunmehr durch strukturelle Details, Feinabstimmungen und bewusste Abwägungen bestimmt. Mit Charal 2 hat das Team von Jérémie Beyou einen selten gesehenen Schritt getan. Nach dem Sieg bei der Transat Café L'Or wurde das Einrumpfboot buchstäblich geöffnet, um den gesamten Boden des Rumpfes zu ersetzen. Diese außergewöhnliche Operation wurde langfristig geplant und durchgeführt, um auf die Erfahrungen zu reagieren, die seit dem Stapellauf im Jahr 2022 gesammelt wurden.
Neugestaltung des Unterwasserschiffs auf der Grundlage des tatsächlichen Flugs des Bootes
Schon bei den ersten Segeltörns fiel die Charal 2 durch ihre V-förmigen Ruder auf, die so konzipiert waren, dass sie einen längeren flachen Flug begünstigten. Eine Entscheidung, die schnell einen hydrodynamischen Widerspruch aufzeigte. Der ursprüngliche Scow-Rumpf bot zwar Kraft in der Kite, erwies sich aber als weniger geeignet für ein Boot, das häufiger als erwartet flach lag.

Die Navigationsdaten haben diesen Trend bestätigt. Das Boot fliegt länger und mit weniger Krängung, was das Gleichgewicht stark verändert. Das Ziel war es, die Gleitfähigkeit zu verbessern und den hydrodynamischen Widerstand in diesen stabilen Flugphasen zu verringern, selbst wenn man einen leichten Leistungsverlust aufgrund der geringeren Krängung in Kauf nehmen musste.
Eine Baustelle, die es in diesem Ausmaß bei IMOCA noch nie gegeben hat
Einige IMOCAs hatten bereits strukturelle Veränderungen erfahren, insbesondere am Bug, aber noch nie zuvor wurde der gesamte Rumpfboden ausgetauscht. Optisch war die Operation spektakulär. Das Monocoque wurde über seine gesamte Länge zerschnitten, wodurch eine karge innere Struktur zum Vorschein kam, die auf ihr Hauptskelett reduziert wurde.

Diese Transformation vermittelt den Eindruck eines ausgehöhlten Bootes, das wie seiner Haut beraubt ist. Ein starkes Bild, das die Tragweite der technischen Herausforderung verdeutlicht, die das Charal-Team eingegangen ist. Die Wahl dieser Option stellt einen klaren Bruch mit den in der Klasse üblichen schrittweisen Anpassungen dar.
Enge Koordination zwischen Planungsbüros und Baustelle
Die Überlegungen beginnen bereits im Winter 2024. Das Büro VPLP arbeitet mit dem Charal-Team an der Zeichnung des neuen Rumpfes. Gurit, das bereits an der ursprünglichen Struktur des Bootes beteiligt war, wird hinzugezogen, um die notwendigen strukturellen Änderungen festzulegen. Parallel dazu werden die neuen Halbschalen bei Gepeto Composite in unmittelbarer Nähe der Charal-Basis hergestellt.

Diese Vorbereitungsphase ermöglicht es, die Endmontage so weit wie möglich vorwegzunehmen. Die eigentliche Werftarbeit beginnt nach der Rückkehr von der Transat Café L'Or. Ab Mitte Dezember machen sich die Teams an das Zuschneiden des Karbons, ein langer und anspruchsvoller Vorgang, der über mehrere Wochen in einer durch Staub und Lärm belasteten Umgebung durchgeführt wird.
Rekonstruktion und millimetergenaue Genauigkeit
Sobald der Rumpf geöffnet ist, konzentrieren sich die Techniker auf die Anpassung der inneren Struktur. Jedes Element muss der neuen Geometrie entsprechen, ohne die Gesamtsteifigkeit des Bootes zu beeinträchtigen. Der Einbau der neuen Halbschalen ist eine Schlüsselphase der Werft. Die Toleranzen sind sehr gering, und jede Ausrichtung bestimmt das zukünftige Verhalten des Monocoques.

Nach dem Zusammenbau aus Verbundwerkstoffen, der für das Frühjahr geplant ist, werden alle mechanischen, hydraulischen und elektronischen Systeme neu installiert. Das Boot soll im Juni wieder zu Wasser gelassen werden, wodurch sich ein Zeitfenster von etwa sechs Monaten bis zur Route du Rhum öffnet.
Erwartete Gewinne bei schnellen Tempi und bei Leichtwind
Auf dem Wasser sind die Erwartungen gezielt. Der neue Rumpf soll es ermöglichen, bei Geschwindigkeiten von mehr als 15 Knoten und bei Leichtwindbedingungen Fortschritte zu machen, zwei Bereiche, in denen Charal 2 noch Fortschritte machen konnte. Die Werft will das Boot auch fehlerverzeihender machen, vor allem beim Einhandsegeln.
Die Erfahrungen, die wir in Mannschafts- und Doppelrennen gesammelt haben, haben gezeigt, dass das Potenzial des Bootes zu mehreren besser ausgeschöpft werden kann. Das Ziel ist es nun, dieses Leistungsniveau dem im Einhandsegeln anzunähern, ein entscheidender Parameter im Hinblick auf die Route du Rhum und die Vendée Globe.

/ 



















