America's Cup 2027: Australien startet wieder eine ehrgeizige Kampagne

Australien wird der sechste Herausforderer für den nächsten Cup sein
Australien wird der sechste Herausforderer für den nächsten Cup sein © Gilles Martin-Raget

26 Jahre nach seiner letzten Kampagne kehrt Australien in den America's Cup zurück. Hinter dieser Rückkehr stehen mehrere wichtige Figuren des Foiling und des SailGP, die sich um ein nationales Projekt versammeln. Und in einem Cup, der mittlerweile durch Budgets, bestehende Plattformen und Daten verriegelt ist, kommt diese australische Herausforderung mit einigen bereits gut identifizierten Karten.

Australien wird tatsächlich beim 38. America's Cup an den Start gehen. Die Ankündigung, die seit Monaten von der kleinen Welt der AC75 erwartet wurde, wurde nur wenige Tage vor der ersten Vorregatta offiziell gemacht. Das Team Australia wird der sechste Herausforderer des Emirates Team New Zealand, neben den Teams aus Großbritannien, Italien, der Schweiz, Frankreich und den USA. Diese Rückkehr markiert vor allem das Ende einer 26-jährigen Abwesenheit im ältesten noch ausgetragenen internationalen Sportwettbewerb.

Eine Rückkehr, die von den großen Figuren des Foiling getragen wird

Die erste Herausforderung betrifft natürlich das Sportteam. Denn Australien kommt nicht mit einem Entdeckungsprojekt. Sie haben sofort Profile aufgestellt, die bereits mit den AC75, dem SailGP und den Hochgeschwindigkeitsflugsystemen vertraut sind.

©Team Australia
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Tom Slingsby übernimmt die Leitung des Segelteams. Er war 2012 in Weymouth Olympiasieger im Laser, gewann 2013 mit Oracle den America's Cup und dominiert seit mehreren Saisons mit den Flying Roos auch den SailGP. Seine Erfahrung mit der Steuerung unter Foil in extremen Konfigurationen ist ein klarer Vorteil in einem Cup, in dem die Abstände oft durch wenige Sekunden Stabilität im Flug entschieden werden.

An seiner Seite beaufsichtigt Glenn Ashby die Leistung und das Design. Der australische Segler kennt sich mit komplexen Foil-Architekturen bestens aus. Er war lange Zeit mit dem Team New Zealand verbunden und an der Entwicklung der modernen Katamaran-Generationen und später der AC75 beteiligt. Seine Ankunft bestätigt eine sehr klare technische Ausrichtung: Team Australia will auf sofort einsetzbare Fähigkeiten kapitalisieren, ohne Lernphase.

Das Erbe von 1983 bleibt ein starker Marker im australischen Segelsport

Man kann diese Rückkehr nicht angehen, ohne auf das Jahr 1983 zurückzublicken. In diesem Jahr beendete Australia II mit einem Sieg über Dennis Conners Liberty die 132-jährige Vorherrschaft der USA. In der Geschichte des Cups bleibt dieser Erfolg einer der wichtigsten sportlichen und technologischen Umschwünge.

Das australische Boot hatte vor allem mit seinem Flügelkiel, der vor dem Wettbewerb lange Zeit verborgen war, für Aufsehen gesorgt. Aber abgesehen von der technischen Innovation hatte dieser Sieg Australiens Stellung im internationalen Segelsport verändert.

Grant Simmer, heute CEO von Team Australia, war bereits Teil der Crew von Australia II. Seitdem hat er dreizehn Ausgaben des America's Cup überstanden, unter anderem mit Alinghi bei den Schweizer Erfolgen 2003 und 2007. Seine Rückkehr zu einer australischen Kampagne verleiht dem Projekt eine historische Kontinuität.

Und diese Erinnerung zählt immer noch. Im America's Cup beruhen die nationalen Kampagnen oft auf einer kollektiven Erzählung und nicht nur auf Technik. Die Neuseeländer pflegen ihre Designkultur. Die Italiener setzen mit Luna Rossa auf Kontinuität. Die Briten setzen auf ihr historisches Erbe. Australien hingegen kehrt mit der Erinnerung an den größten Umsturz des modernen Cups zurück.

Begrenzung von Neubauten mischt die Karten neu

Die Regeln für diese 38. Ausgabe geben einen besonderen Rahmen vor: Es ist kein Neubau von AC75 erlaubt. Die Teams müssen bestehende Plattformen umbauen oder wiederverwenden.

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Mehrere Fachmedien berichten, dass Team Australia Te Rehutai, das neuseeländische Siegerboot von 2021, übernommen hat, das dann 2024 in Barcelona als Testplattform genutzt werden soll. Aber von einem alten, erfolgreichen Boot zu starten, garantiert also nicht automatisch Wettbewerbsfähigkeit.

Die zentrale Frage wird dann die australische Fähigkeit sein, diese technische Basis an die neuen Vermessungsbedingungen und die für den nächsten Cup erwarteten Navigationsprofile anzupassen.

Eine Kampagne, die als nationaler Zweig gedacht ist

Ein weiteres wichtiges Problem ist, dass Team Australia nicht nur an einer Ausgabe teilnehmen möchte. Die Unterstützung von John Winning Jr., der bereits an den australischen Jugend- und Frauen-America's-Cup-Kampagnen für 2024 beteiligt ist, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Das erklärte Ziel ist es, wieder eine nationale Branche aufzubauen, die Segler, Ingenieure, Designer und Spezialisten für Verbundwerkstoffe umfasst.

Seit zwei Jahrzehnten arbeiteten viele australische Talente verstreut in verschiedenen ausländischen Teams. Glenn Ashby beim Team New Zealand, Jimmy Spithill lange bei Oracle und später bei Luna Rossa, oder auch mehrere Architekten, die in europäischen Konstruktionsbüros tätig waren.

Der Pokal tritt in eine neue Phase ein

Die Ankunft von Team Australia verändert auch das politische Gleichgewicht des America's Cup. Mit sechs offiziellen Herausforderern findet der Wettbewerb zu einer Dichte zurück, die seit mehreren Zyklen selten beobachtet wurde. Und diese australische Rückkehr findet in einem besonderen Kontext statt. Die Teams sind nun auf der Suche nach stabileren Geschäftsmodellen. Die Kosten für AC75-Kampagnen sind trotz der technischen Einschränkungen, die durch die Größe des Schiffes bedingt sind, nach wie vor extrem hoch.

Die neue AKP-Partnerschaft, in der Team Australia einen Sitz haben wird, verdeutlicht diesen Wunsch nach einer besseren Strukturierung der Governance des Wettbewerbs. Emirates Team New Zealand behält eine zentrale Position, aber die Herausforderer versuchen allmählich, mehr Einfluss auf die sportlichen und geschäftlichen Entscheidungen zu nehmen.

In diese Landschaft bringt Australien ein interessantes Profil ein. Das Land verfügt über eine starke maritime Kultur, einen Pool an hochkarätigen Seglern und ist dank des SailGP bereits sehr bekannt. Es bleibt nun abzuwarten, ob die neue Kampagne die sportliche Wirkung der Herausforderung von Australia II vor über 40 Jahren wieder erreichen kann.

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