Grand Soleil Plus 80 LC Long Cruise: Schiffsbau, Energie und Leben an Bord

Die Grand Soleil Plus 80 Long Cruise markiert die Einführung eines neuen Flaggschiffmodells in der Produktpalette der italienischen Werft. Hinter ihren 26,20 Metern verbirgt sich ein Konzept, das eindeutig auf Hochseekreuzfahrten und lange Törns ausgerichtet ist. Bauweise, Schiffsarchitektur, Energieautarkie und Raumaufteilung verdienen eine eingehende Betrachtung.

Mit der Grand Soleil Plus 80 Long Cruise erweitert Cantiere del Pardo seine Plus-Reihe für Boote mit einer Länge von über 60 Fuß. Das erste Exemplar mit dem Namen ?Bianca II? soll vom 8. bis 13. September 2026 auf dem Cannes Yachting Festival international vorgestellt werden. Abgesehen von ihren Abmessungen wirft diese Segelyacht mehrere Fragen auf: Bauqualität, Seegängigkeit, Energiemanagement, Ergonomie an Deck und Wohnkomfort bei längeren Aufenthalten.

Eine Verbundkonstruktion, die auf die Integration der Bordsysteme ausgelegt ist

Die erste Problematik betrifft die Konstruktion selbst. Bei einer 80-Fuß-Segelyacht, die für Langstreckenüberfahrten ausgelegt ist, beschränkt sich die Robustheit nicht nur auf die Dicke der Laminate.

Die Werft kündigt eine Sandwich-Verbundkonstruktion an, bei der Vinylester-Epoxidharz und Vakuuminfusion zum Einsatz kommen. In den Bereichen, die den größten Belastungen ausgesetzt sind, werden Kohlefaserverstärkungen verwendet.

Einer der interessantesten technischen Aspekte ist der sogenannte ?In-Place?-Bauansatz. Die strukturellen Elemente werden an die endgültige Konfiguration des Bootes angepasst. Bei der Bianca II sind in den Schotten unter anderem Kabelkanäle aus Carbon integriert, durch die die Kabel verlegt werden.

Für die Crew hat diese Organisation einen konkreten Nutzen. Der Zugang zu den Strom- und technischen Leitungsnetzen wird vereinfacht ? ein Aspekt, der beim Kauf oft vernachlässigt wird, für die Wartung einer großen Segelyacht jedoch von entscheidender Bedeutung ist.

Ein Rumpf für lange Reisen, der die Balance zwischen Geschwindigkeit und Komfort sucht

Mit der Schiffsarchitektur wurde Matteo Polli betraut, der für seine Arbeiten im Rennsport bekannt ist. Das Rumpfdesign weist im Bug schmale Wasserzuläufe auf, um das Fahrverhalten bei rauer See zu verbessern. Die Volumen nehmen zum Heck hin allmählich zu, um den Wohnraum zu erhalten.

In diesem Segment besteht die Herausforderung darin, die Segelleistung aufrechtzuerhalten, ohne dabei den Komfort der Besatzungen auf langen Etappen zu beeinträchtigen.

Die Werft bietet mehrere Konfigurationen an. Die Bianca II verfügt über zwei Ruder in Verbindung mit einem Teleskopkiel, dessen Tiefgang zwischen 2,90 und 4,40 Metern variiert. Diese Lösung zielt darauf ab, die Kontrolle auch bei starker Krängung des Bootes zu gewährleisten und gleichzeitig den Zugang zu flacheren Ankerplätzen zu ermöglichen.

Eigner, die eine eher klassische Architektur bevorzugen, können sich für ein Einzelruder und verschiedene Kieltiefen entscheiden.

Besonderes Augenmerk wurde auch auf die Steuerung des Schwerpunkts gelegt. Bei einem Segelboot dieser Größe wirkt sich die Anordnung der Ausrüstung, der Tanks und der Systeme direkt auf die Stabilität und das Segelverhalten aus.

Ein Segelplan, der darauf ausgelegt ist, den Arbeitsaufwand zu verringern

Die Grand Soleil Plus 80 Long Cruise ist mit einem Mast und einem Baum aus Carbon ausgestattet. Diese Wahl reduziert das Gewicht im Oberwerk und erhöht gleichzeitig die Steifigkeit der Takelage.

Der Einsatz eines V-Booms soll die Handhabung des Großsegels vereinfachen. Für kleine Besatzungen kann diese Eigenschaft bestimmte Einschränkungen beim Reffen oder bei Manövern im Hafen verringern.

Der Segelplan sieht mehrere Konfigurationen vor, die an unterschiedliche Bedingungen angepasst sind. Am festen Bugspriet können zwei separate Gennaker angebracht werden. Ein Innenvorstag und ein Sturmsegel gehören ebenfalls zu den verfügbaren Optionen.

Alle gängigen Bedienelemente sind nach achtern verlegt. Diese Anordnung schafft Platz im zentralen Cockpit und trennt die Entspannungsbereiche klar von den Arbeitsbereichen. Bei Hochseesegeln trägt diese Aufteilung dazu bei, die Bewegungsfreiheit zu gewährleisten, wenn die See rauer wird.

Die Energieautarkie wird zu einem zentralen Bestandteil des Programms

Auf großen Segeltörnschiffen hat die Energieversorgung mittlerweile fast denselben Stellenwert wie die Segelfläche. Die Bianca II setzt auf eine gemeinsam mit Torqeedo entwickelte Hybridarchitektur. Zwei 40-kWh-Batterien versorgen sowohl das elektrische Antriebssystem als auch die Bordversorgung mit Strom.

Zwei 45-kW-Generatoren ergänzen die Anlage, um die Batterien aufzuladen und die Reichweite auf langen Strecken zu gewährleisten.

Das Boot zeichnet sich zudem durch ein zentralisiertes Hydrauliksystem aus. Die Winden, der Teleskopkiel und verschiedene Funktionen der Takelage werden über einen einzigen Kreislauf versorgt.

Dieser Ansatz begrenzt die Anzahl der speziellen elektrischen Geräte, reduziert den Verkabelungsaufwand und trägt zur Gewichtsreduzierung bei. Bei einer Segelyacht, die für große Strecken ausgelegt ist, stellt die Vereinfachung bestimmter Netzwerke oft einen Vorteil bei der Wartung dar.

Eine Innenausstattung, die ganz auf das Leben an Bord ausgerichtet ist

Das erhöhte Deckshaus bietet einen Panoramablick von angeblich 270 Grad und sorgt für mehr Stehhöhe. Diese Bauweise ermöglichte zudem die Schaffung eines großzügigen Technikraums unter dem Boden des Salons.

Das hat zwei Vorteile: Mechanische und elektrische Systeme nehmen mehr Platz ein, während die Wohnräume übersichtlicher bleiben.

Es werden zwei Hauptkonfigurationen angeboten. Die erste umfasst vier Gästekabinen und zwei Besatzungskabinen. Die zweite sieht drei Gästekabinen und zwei Besatzungskabinen vor.

Die Eignerkabine befindet sich im vorderen Teil des Bootes und verfügt über ein mittig angeordnetes Bett, das zum Bug hin ausgerichtet ist. Die Gästekabinen können je nach Bedarf unterschiedlich bestuhlt werden.

Eine weitere Besonderheit ist, dass die Bianca II über keinen Beiboot-Stauraum verfügt. Der dadurch gewonnene Platz kann somit für andere technische oder häusliche Einrichtungen genutzt werden, wie beispielsweise zusätzlichen Stauraum oder Geräte, die das Leben an Bord während langer Törns erleichtern.

An wen richtet sich die Grand Soleil Plus 80 Long Cruise eigentlich?

Die GS Plus 80 Long Cruise richtet sich an eine ganz bestimmte Zielgruppe. Ihre Stauraumkapazitäten, ihre Tanks mit einem Fassungsvermögen von 2.000 Litern Kraftstoff und 1.300 Litern Frischwasser, ihr Deckslayout und ihre Energiearchitektur zeigen eine klare Ausrichtung auf die Hochseeschifffahrt.

Eigner, die in erster Linie ein repräsentatives Segelboot für den Ankerplatz suchen, finden in diesem Segment natürlich zahlreiche Mitbewerber. Wer hingegen längere Überfahrten mit einer professionellen Crew oder einer erfahrenen Familie plant, findet hier eine Plattform, die speziell auf konkrete Herausforderungen der Seefahrt zugeschnitten ist.

Mit einer Gesamtlänge von 26,20 Metern, einer angegebenen Verdrängung von 42,5 Tonnen und einer Segelfläche von 400 m² verkörpert die Grand Soleil Plus 80 Long Cruise das Bestreben der italienischen Werft, weiterhin große Reisesegelboote anzubieten ? und das in einem Markt, der weitgehend von Motorbooten dominiert wird. Der Reiz dieses Modells liegt weniger in seinen Abmessungen als vielmehr darin, wie es Schiffsbau, Autonomie und die Gestaltung des Bordlebens miteinander verbindet, um den Anforderungen des modernen Hochseekreuzfahrens gerecht zu werden.

Wie viel kostet die Grand Soleil Plus 80 Long Cruise?

Die Werft hat keine Preise für die Grand Soleil Plus 80 Long Cruise bekannt gegeben. Dennoch ist dies ein interessanter Vergleich, da sich dieses Modell im Segment der großen, halbmaßgefertigten 80-Fuß-Kreuzfahrtsegelyachten positioniert. Mit ihrer kohlefaserverstärkten Verbundstoffkonstruktion, ihrer Kohlefaser-Takelage, ihrem Teleskopkiel, ihrem zentralisierten Hydrauliksystem und ihrem gemeinsam mit Torqeedo entwickelten Hybridantriebssystem gehört sie zu einer Kategorie, in der die Budgets die von Seriensegelyachten bei weitem übersteigen.

Im Vergleich zu ihren direkten Konkurrenten wie der Solaris 80, der Oyster 805 oder der Swan 80 liegt die Grand Soleil Plus 80 Long Cruise laut einer Markteinschätzung wahrscheinlich in einer Preisspanne zwischen zwischen 6,5 und 9 Millionen Euro ohne MwSt. je nach dem vom Reeder gewählten Ausstattungsgrad. Das erste Exemplar der Bianca II, das über eine besonders umfassende technische Ausstattung verfügt, liegt vermutlich im oberen Bereich dieser Spanne.

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