Nach den ersten Fahrten und Tests der neuen Y-förmigen Foils wechselt die Gitana 18 ihr Revier. Die Maxi Edmond de Rothschild beginnt, auf offener See zu segeln und ihre Trainingseinheiten zu verlängern. In der sechsten Folge von ?Flying Offshore?, die am 31. August 2026 veröffentlicht wurde, gewährt das Gitana-Team einen Blick hinter die Kulissen dieser neuen Etappe. Und hinter den Bildern der ?Ultim? im Flug verbirgt sich eine weniger spektakuläre Realität: Es gibt noch viel zu lernen, bevor Charles Caudrelier sich für die Route du Rhum 2026 allein an Bord wiederfindet.
Drei Nächte auf See, um anders zu arbeiten
Bei einem mehrstündigen Ausflug kann man eine Einstellung testen. Nach dreieinhalb Tagen auf See beginnt man, ein Boot zu verstehen.
Das ist eine der Erkenntnisse aus diesem neuen Video. Die ?Gitana 18? hat gerade eine Segeltour mit drei Nächten auf hoher See hinter sich gebracht. Dabei geht es nicht nur darum, Seemeilen zu sammeln.
Auf einer langen, sechsstündigen Kreuz hat die Crew genügend Zeit, eine Einstellung zu ändern, deren Wirkung zu beobachten, wieder zur ursprünglichen Einstellung zurückzukehren und eine andere Konfiguration auszuprobieren. Im Gegensatz dazu schränkt eine einstündige Fahrt die Anzahl der verwertbaren Versuche schnell ein.
Bei einer neuen Ultim, deren Anbauten gerade erst modifiziert wurden, spielt diese Zeitspanne eine wichtige Rolle. Die Konstruktionsabteilung verfügt über Daten aus längeren Testphasen, und die Segler beginnen, das Verhalten des Bootes unter Bedingungen zu erkennen, die weniger standardisiert sind als bei den Testfahrten.
Und die Eindrücke an Bord sind nach wie vor unverzichtbar. Digitale Modelle können zwar eine theoretische Konfiguration definieren, aber sie geben nicht vollständig wieder, was die Segler spüren, wenn das Boot beschleunigt, abhebt oder instabil wird.
Die beiden Y-förmigen Tragflügel ändern den Testplan
Der Sommer 2026 verlief für das Gitana-Team nicht ganz reibungslos. Die beiden Foils wurden nicht gleichzeitig geliefert. Das Team segelte zunächst mit nur einem Foil und nutzte dann die ersten Testfahrten, um Änderungen am zweiten Foil vorzunehmen, bevor es mit den Vergleichstests fortfuhr.
Die Folge lag auf der Hand: Mit nur einem einsatzfähigen Foil verhielt sich der Trimaran auf den beiden Seiten völlig unterschiedlich. Charles Caudrelier erklärt sogar, dass bei einigen Sommerfahrten bis zu 70 Prozent der Zeit auf der Seite ohne Foil zurückgelegt wurden.
Das Problem betraf nicht nur die Geschwindigkeit. Um die von den Instrumenten gelieferten Informationen, insbesondere die Windmessung, korrekt zu kalibrieren, benötigen die Techniker Referenzwerte auf beiden Seiten. Die Einführung des zweiten Foils hat daher einen Teil der Arbeit an der Elektronik und den Daten wieder in Gang gebracht.
Die Gitana 18 kann nun mit ihren beiden Anhängseln untersucht werden und damit beginnen, diese Phase der Asymmetrie hinter sich zu lassen.
Flap und Rake ? ein Zeichen dafür, dass die Gitana 18 in die Feinabstimmung geht
Ein Detail im Wortgebrauch gibt Aufschluss darüber, in welcher Phase sich das Programm befindet. Zu Beginn der Testfahrten versucht das Team noch, die allgemeine Position des Foils zu bestimmen. Sobald sich die Diskussionen auf wenige Grad Flap oder Rake konzentrieren, ändert sich die Ebene der Analyse.
Als ?Flap? bezeichnet man den beweglichen Teil, mit dem sich die hydrodynamischen Eigenschaften des Foils beeinflussen lassen. Der ?Rake? entspricht dessen Längsneigung. Eine Veränderung dieser Parameter wirkt sich auf den vom Foil erzeugten Auftrieb und damit auf die Trimmung und das Fahrverhalten des Trimaran aus.
Sébastien Sainson, Leiter der Konstruktionsabteilung des Gitana-Teams, ist der Ansicht, dass bestimmte Segelphasen mittlerweile der Leistungsoptimierung dienen. Andere dienen nach wie vor der Erforschung, ganz einfach deshalb, weil das Boot noch nicht alle notwendigen Bedingungen vorgefunden hat, um seinen Betriebsbereich vollständig auszuloten.
Diese Mischung verdeutlicht, wie jung das Projekt noch ist. Gitana 18 wird in einigen Bereichen bereits fein abgestimmt, während in anderen noch große Fragen offen sind.
Bei den Foils kommen Mechanik, Hydraulik, Elektronik und Verbundwerkstoffe zum Einsatz
Die Anhänge gehören ebenfalls zu den interessantesten Abschnitten des Videos, um die Komplexität des neuen Ultim zu verstehen.
Laut Sébastien Sainson konzentriert sich etwa 90 % der Energie des Teams zu diesem Zeitpunkt auf die Foils.
Es geht nicht mehr nur um große Verbundwerkstoffteile. Die Anbauten der Gitana 18 vereinen Verbundwerkstoffkonstruktion, Hydraulik und Elektronik. Eine Änderung betrifft daher mehrere Fachbereiche und kann einen Großteil des Teams lahmlegen.
Jede Änderung muss daher eine recht pragmatische Frage beantworten: Wie viel Zeit nimmt die Änderung in Anspruch und welchen Nutzen erhofft sich das Team davon?
Diese Logik gewinnt umso mehr an Bedeutung, je knapper die Zeit wird. Ein Boot lässt sich immer noch perfektionieren. Doch jeder Tag, den Charles Caudrelier in der Werkstatt verbringt, ist auch ein Tag, an dem er nicht lernt, sein Boot auf See zu steuern.
Nur noch wenige Wochen bis zum Rhum ? soll man den Kurs ändern oder weiterfahren?
Das ist wahrscheinlich das größte Dilemma in dieser Vorbereitungsphase.
Das Gitana-Team entdeckt bei jedem Einsatz neue Entwicklungsmöglichkeiten. Eine neue Konfiguration liefert neue Daten, aus denen sich neue Ideen und manchmal auch neue Probleme ergeben.
Aber die Route du Rhum schreibt einen Termin vor, an dem die Suche eingestellt werden muss.
Sébastien Sainson erklärt es ganz klar: Das Team muss manchmal in Kauf nehmen, einen Teil der technischen Arbeit zu vernachlässigen, um Charles Caudrelier mehr Zeit zum Segeln zu lassen.
Denn der Skipper wird bald allein das bewältigen müssen, was bei den Testfahrten noch von mehreren Personen erledigt wird.
An Bord einer Ultim ist dieser Übergang keineswegs nebensächlich. Die Manöver dauern bei Einhandsegeln länger und erfordern mehr Vorausdenken. Der Skipper muss außerdem die Reaktionen des Bootes gut genug kennen, um zu wissen, wann er Gas geben, wann er die Konfiguration ändern und wann er die Belastung der Plattform verringern muss.
Zuverlässigkeit wird genauso wichtig wie Geschwindigkeit
Charles Caudrelier macht übrigens keinen Hehl aus der größten Schwachstelle seiner Vorbereitung: der Anzahl der zurückgelegten Seemeilen.
Er räumt ein, dass er sein Boot zum Start noch nicht vollständig kennen wird, und nennt die Zuverlässigkeit selbst als eine der Unbekannten des Projekts.
Die ?Route du Rhum? 2026 könnte die bisher längste Segeltour der ?Gitana 18? werden. Die Belastungen, denen ein ?Ultim? während der Fahrt ausgesetzt ist, sind jedoch beträchtlich, und manche Beanspruchungen lassen sich erst während der Fahrt wirklich erkennen.
Die Tests decken somit Belastungen oder Schäden auf, die in den Berechnungen nicht unbedingt vorhergesehen wurden. Dann muss man reparieren, umbauen, wieder aufs Meer hinausfahren und überprüfen.
Das Gitana-Team verfügt über die mit der Gitana 17 gesammelten Erfahrungen und fängt daher nicht bei Null an. Doch die neuen Appendices bringen eine Vielzahl neuer Schnittstellen, Bewegungen und zu überwachender Parameter mit sich.
Charles Caudrelier muss die ?Ultim? nun in ein Einhandboot umbauen
Das Video zeigt erneut ein Schiff, das von einer Besatzung intensiv genutzt wird, wobei Ingenieure und Techniker an Bord sind, um sein Verhalten zu beobachten.
Die Route du Rhum wird genau das Gegenteil sein.
Charles Caudrelier wird ganz auf sich allein gestellt sein, um einen Trimaran zu steuern, einzustellen und instand zu halten, auf dem er bisher nur wenige Monate Erfahrung gesammelt hat. Der Skipper scheint sich keine Sorgen um die Einhandfahrt an sich zu machen. Er betont vielmehr, wie wichtig es ist, jedes Manöver noch besser vorauszusehen.
Auch in sportlicher Hinsicht bleibt alles offen. Das Gitana-Team hat sein neues Boot noch nicht unter Bedingungen gegen die wichtigsten Ultim-Konkurrenten antreten lassen, die eine verlässliche Rangfolge ermöglichen würden. Während die Gitana 18 gebaut und anschließend optimiert wurde, haben die anderen Teams die Entwicklung ihrer Boote weiter vorangetrieben.

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