Thomas Ruyant testet seine neue IMOCA, Antoine Koch geht auf die Konstruktionsentscheidungen ein

Thomas Ruyant und seine neue IMOCA geben bei Sonnenuntergang Vollgas
Thomas Ruyant und seine neue IMOCA geben bei Sonnenuntergang Vollgas © ©Pierre Bouras - TR Racing

Die Bilder sind wunderschön. Bei Sonnenuntergang führten Thomas Ruyant und sein Team vor der Küste von Lorient die ersten Testfahrten mit der neuen IMOCA durch. Nach zwei Jahren der Planung und des Baus tritt dieser Foiler der neuesten Generation nun in eine Entwicklungsphase ein, die ihn bis zur ?Route du Rhum Destination Guadeloupe 2026? führen soll. Sein Architekt, Antoine Koch, erläutert die wichtigsten technischen Entscheidungen, die das Projekt geprägt haben.

Ein IMOCA ohne Logo und ohne Sponsor ? das ist ein seltener Anblick, der zugleich schön und beunruhigend ist. Wenige Tage nach dem Stapellauf absolvierte die neue IMOCA von Thomas Ruyant ihre ersten Segelstrecken vor der Küste von Lorient. Bei diesen ersten Testfahrten geht es noch nicht darum, die Höchstgeschwindigkeit zu ermitteln. Sie dienen in erster Linie dazu, die Bordsysteme zu überprüfen, das Verhalten des Bootes zu kontrollieren und die langwierige Feinabstimmung in Angriff zu nehmen, die den Skipper bis zu seinen ersten Regatten begleiten wird.

©Pierre Bouras - TR Racing
©Pierre Bouras ? TR Racing

Diese neue IMOCA ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem von Antoine Koch geleiteten Büro AKO, dem Konstruktionsbüro von TR Racing, GSea, Finot Conq und der Werft CDK Technologies. Das Projekt wurde zudem parallel zu den Booten von Boris Herrmann und Loïs Berrehar entwickelt, die auf derselben Plattform gebaut wurden.

Der Skipper, der zu den besten seiner Generation zählt, ist weiterhin auf der Suche nach Finanzmitteln, um bei der Route du Rhum an den Start gehen zu können.

Ein Projekt, das auf gesammelten Erfahrungen aufbaut

Das Team hat nicht versucht, ganz von vorne anzufangen. Die vorherige IMOCA von Thomas Ruyant diente als Ausgangspunkt, um Bereiche zu identifizieren, in denen Verbesserungen möglich waren.

©Pierre Bouras - TR Racing
©Pierre Bouras ? TR Racing

?Ausgangspunkt war Thomas? alte Segelyacht. Sie hatte bei bestimmten Kursen einen guten Ruf, aber wir haben einige Phasen festgestellt, in denen sie auf dem Wasser weniger schnell war. Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, eine neue, vielseitigere IMOCA zu entwickeln, insbesondere beim Start und beim Kreuzen?, erklärt Antoine Koch.

Dieses Streben nach Vielseitigkeit entspricht auch der Weiterentwicklung des Sportprogramms von TR Racing. Das Boot muss bei der Vendée Globe als Einhandboot wettbewerbsfähig bleiben, aber auch als Zweierboot bei der Transat Café L'Or und als Mannschaftsboot bei The Ocean Race.

Ein Cockpit, das ganz auf die Bedürfnisse des Seglers zugeschnitten ist

Die Ergonomie ist einer der Schwerpunkte des Projekts. An den Steuerständen, bei der Gestaltung des Cockpits und bei der Bewegungsfreiheit an Bord wurde intensiv gearbeitet, um die Ermüdung der Besatzungsmitglieder zu verringern.

?Wir wollten den Menschen in den Mittelpunkt der Gestaltung stellen. Die Innenausstattung ist modular aufgebaut, und wir haben uns bemüht, das Leben an Bord zu erleichtern?, betont Antoine Koch.

Die Auswahl an Steuerrädern verdeutlicht diesen Ansatz.

Un retour au source avec ces postes de barre ©Pierre Bouras - TR Racing
Eine Rückkehr zu den Wurzeln mit diesen Steuerpulten ©Pierre Bouras ? TR Racing

?Wir wollten die Steuerstände in Fahrtrichtung des Bootes anbringen. Das ist natürlicher, vor allem aber bequemer und effizienter für den Steuermann. Außerdem haben wir daran gearbeitet, den Übergang zwischen Innenraum und Cockpit nahtlos zu gestalten, damit Thomas sich weniger bewegen muss und weniger schnell ermüdet.?

Für den Flug optimierte Fortsätze

Die Änderungen betreffen auch die Anbauten. Die größeren und neu positionierten Ruder tragen nun stärker zur Steuerung des Bootes bei, wenn dieses auf seinen Tragflügeln fährt.

?Wir haben daran gearbeitet, wie man die Ruder so einsetzt, dass man mit weniger Luftwiderstand in der Luft bleibt. Das windseitige Ruder bleibt im Wasser, was für echte Stabilität sorgt und dank der Tragflügel eine höhere Flugeffizienz ermöglicht?, erläutert der Architekt.

©Pierre Bouras - TR Racing
©Pierre Bouras ? TR Racing

Auch der Rumpf weist eine neue Geometrie mit einer doppelten Kimm auf, die den Einsatzbereich des Bootes erweitern soll.

?Dank der doppelten Kimmkonstruktion können wir einen relativ schlanken Rumpf bei Vorwindkursen beibehalten und verfügen gleichzeitig über eine Leistungsreserve bei Am-Wind- und Halbwindkursen. Das Boot wird weniger in die Wellen eintauchen, und es wird weniger Wasser auf dem Deck sein?, erklärt Antoine Koch.

Die ersten Meilen vor den ersten Rennen

Auch wenn die Linienführung des Bootes nun feststeht, gibt es auf dem Wasser noch viel zu lernen. In den kommenden Monaten werden wir uns darauf konzentrieren, Daten zu sammeln und die Einstellungen zu optimieren.

Thomas Ruyant fasst diese neue Etappe wie folgt zusammen: ? ?Wir treten nun in eine Phase der Feinabstimmung, des letzten Schliffs und der Tests ein, bevor wir das Boot richtig auf die Probe stellen und es auf Hochtouren bringen. Wir können es kaum erwarten, unsere ersten Kursen zu segeln. Wir werden schnell erkennen, wozu diese IMOCA fähig ist.?

Der Zeitplan steht bereits fest. Der neue Foiler soll bei der ?Route du Rhum Destination Guadeloupe 2026? sein Wettbewerbsdebüt geben, bevor ein Programm folgt, das unter anderem ?The Ocean Race 2027?, die ?Transat Café L'Or 2027? und die ?Vendée Globe 2028? umfasst. Zwischen diesen Terminen werden die zahlreichen Testtage entscheidend sein, um das volle Potenzial eines Bootes auszuschöpfen, das dafür konzipiert wurde, TR Racing über mehrere Saisons hinweg zu begleiten.

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