Gezeiten, berechnen Sie die Wasserhöhen und verstehen Sie die Regel der Zwölftel

Du bist nicht gut in Mathe? Keine Sorge, die Gezeitenberechnung ist urteilsfähiger als auf jeder Stufe. Folgen Sie dem Leitfaden für dieses nützliche Lernen.

Die Berechnung der Gezeiten ist eine interessante Aufgabe, die man unbedingt beherrschen sollte, bevor man sich auf eine Segeltour begibt. Zwar gibt es zahlreiche Websites, die die Zeiten und Höhen der Gezeiten angeben (allen voran SHOM oder Marée.Info), doch erklären wir Ihnen hier die Berechnung anhand eines Gezeitentabellenbuchs (in diesem Fall dem ?Bloc Marine?), das alle nützlichen Informationen enthält.

Eine Gezeitenberechnung erfolgt in sechs Schritten, die wir hier im Einzelnen erläutern, jeweils mit einem Beispiel mit Zahlenangaben.

1 ? Gezeitenkoeffizienten

Der Gezeitenkoeffizient gibt die Gezeitenamplitude an. Es handelt sich um einen berechneten Zahlenwert, der zwischen 20 (bei den niedrigsten Koeffizienten) und 120 schwankt. Man spricht von ?Mortes-eaux? (ME), wenn der Koeffizient unter 70 liegt, und von ?Vives eaux? (VE), wenn er über 70 liegt.

2 ? Das Gezeitenverzeichnis

Ermitteln Sie den Referenzhafen, zu dem Ihr Navigationsgebiet gehört.

Es gibt Referenzhäfen und angeschlossene Häfen. Zwischen beiden kann es zu einer geringen zeitlichen und höhenmäßigen Abweichung kommen. Diese Abweichung variiert je nachdem, ob man sich in der Flut- oder Ebbephase befindet.

Beispiel :

Morgat (Hafen im Departement Finistère, der zu Brest gehört)

Es besteht eine zeitliche Verschiebung von 5 Minuten (Hochwasser in VE) bis 20 Minuten (Niedrigwasser in VE) sowie ein Unterschied in der Wasserstandshöhe von -40 cm (Hochwasser in VE) bis -10 cm (Niedrigwasser in VE).

Diese Werte sollten notiert werden, da sie zur Anpassung der endgültigen Berechnung dienen.

3 ? Der Tidenhub

Im Gezeitenkalender sucht man den Tag der Fahrt heraus. Dort sind die Gezeitenzeiten, vor allem aber die Wasserstände angegeben.

Der Tidenhub ist die Differenz zwischen dem Wasserstand bei Flut und dem bei Ebbe.

Beispiel :

Sonntag, 25. Oktober, Tidenkoeffizient 89, d.?h. Hochwasser

  • Niedrigwasser in Brest: 1,50 m
  • Hochwasser in Brest: 7,10 m
  • Tidenhub in Brest = 7,10 %E2euros%93 1,50 = 5,60 m

Nach der Korrektur für Morgat lauten die Werte:

  • Niedrigwasser: 1,50 ? 0,10 = 1,40 m
  • Hochwasser: 7,10 ? 0,40 = 6,70 m
  • Tidenhub = 6,70 %E2euros%93 1,40 = 5,30 m

4 ? Die Gezeitenzeit

Die Gezeitenzeit liegt nahe an der Uhrzeit. Zur genaueren Berechnung nimmt man jedoch die Zeit des Niedrigwassers %E2euros%93 die Zeit des Hochwassers und teilt diese durch 6.

Beispiel :

Sonntag, 25. Oktober

  • Niedrigwasser in Brest: 09:10 Uhr
  • Hochwasser in Brest: 15:06 Uhr
  • Niedrigwasser in Morgat: 09:10 Uhr ? 00:20 Uhr = 08:50 Uhr
  • Hochwasser in Morgat: 15:06 Uhr ? 00:05 Uhr = 15:01 Uhr
  • Gezeitenzeiten in Morgat: 15:01?08:50 Uhr = 6:11
  • Gezeitenzeit: 6:11 Uhr / 6 = 1:02

5 ? Die Zwölftelregel

Während des Gezeitenzyklus (ca. 6 Stunden) verläuft die Flut und die Ebbe nicht linear. Zu Beginn der Gezeiten steigt (oder sinkt) sie langsam. In der Mitte der Gezeiten ist sie am stärksten. Und am Ende der Gezeiten lässt sie wieder nach.

Man sagt oft, dass sich der Wasserstand nach der Zwölftelregel entwickelt.

  • Stunde 1 1/12
  • Stunde 2 2/12
  • Stunde 3 3/12
  • Stunde 4 3/12
  • Stunde 5 2/12
  • Stunde 6 1/12

Um das ?Zwölftel? einer Gezeitenhöhe zu ermitteln, nimmt man den Tidenhub und teilt ihn durch 12.

Beispiel :

Sonntag, 25. Oktober

Tidenhub in Morgat: 5,30 m

Zwölftel: 5,30/12 = 0,44 m

Stunde 1 Der Wasserstand steigt um 1/12 , also um 0,44 m

Stunde 2 der Wasserstand steigt um 2/12 das entspricht 0,88 m

Stunde 3 Der Wasserstand steigt um 3/12 , also um 1,32 m

Stunde 4 Der Wasserstand steigt um 3/12 , das entspricht 1,32 m

Stunde 5 Der Wasserstand steigt um 2/12 , d. h. um 0,88 m

Stunde 6 der Wasserstand steigt um 1/12 das entspricht 0,44 m

In der 4. Gezeitensstunde wird der Wasserstand also um 0,44 + 0,88 + 1,32 + 1,32 = 3,96 m gestiegen sein.

6 ? Die Wassertiefe an einer bestimmten Stelle auf der Karte ermitteln

Auf den Karten wird der Nullpunkt mit einem Koeffizienten von 120 angegeben (dem höchsten Koeffizienten, der in der Realität nie erreicht wird). Es handelt sich also um den tiefsten aller Tiefststände des Meeresspiegels. Laut den Messwerten einer Sonde

Beispiel :

Die 0,50 m lange Sonde am Ausgang des Hafens von Morgat wird bei Ebbe bereits von 2,00 m Wasser bedeckt sein.

Sonntag, 25. Oktober, in Morgat

Niedrigwasser: 8:50 Uhr

Wasserstand: 1,40 m

Das ergibt 0,50 + 1,40 m: 1,90 m

In der 4. Gezeitensstunde wird es:

08:50 Uhr + (4 × 1:02) = 12:58 Uhr

Die Wasserhöhe beträgt

1,90 + 3,96 = 5,86 m

Über der Sonde werden also 5,86 m und am Hafeneingang 0,50 m verbleiben.

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